Freitag, 16. November 2012

Camino del Norte: Resümée

Ich bin dann tatsächlich krank geworden und musste  für anderthalb Wochen daheim bleiben. Einerseits war das natürlich blöd, denn ich bin ja nicht gern krank. Andererseits hatte ich dann auch noch ein bisschen Zeit, um Abstand von meinen Erlebnissen gewinnen und mich langsam wieder in den Alltag einzugliedern. Das hat so erstaunlich gut geklappt. Auch wenn ich insgesamt 7 Wochen nicht auf der Arbeit war, habe ich schnell wieder reingefunden.
Wie fand ich also den Camino del Norte?
Sehr unterschiedlich. Ich habe mich eine ganze Weile schwer getan, ein wirkliches Pilgerfeeling zu bekommen. Anfangs hatte ich das Gefühl, mehr vor mich hin zu stolpern, hatte immer wieder irgendwelche kleinen Anpassungsstörungen, sei es der verlorene Rucksack am Anfang, Markus, die Schwindelanfälle. Ich kam irgendwie nicht rein. Ich habe mir wieder neue Schuhe gekauft, in denen ich mich dann endlich wohl gefühlt habe. Die Landschaft war sehr schön, hat mich aber oft nicht so wirklich vom Hocker gehauen. Ich bin wohl wirklich ein Bergtyp. Meine Beziehung zum Meer hat sich nicht geändert. Es macht mich immer noch eher unruhig. Ich habe mich oft gefragt, warum ich ausgerechnet diesen Weg gehen musste.
Der viele Asphalt hat mich oft an den Rand der Verzweiflung gebracht. Dieses monotone Laufen auf so festem Untergrund ist einfach nichts für mich. Blasen hatte ich anfangs ein paar, aber es war keine dabei, die mich behindert hat. Vielmehr taten mir ständig die Fußsohlen weh. Die waren aber auch das einzige körperliche Übel, wenn man mal vom Rucksack absieht, der nur ab und zu gedrückt hat. Die Mücken haben mich mitunter auch sehr geplagt. Mit denen hatte ich nicht gerechnet.
Ich hatte jedoch starke Begegnungen, vor allem mit Mel, Rocío und Tara, von deren Unabhängigkeit und Lebensfreude ich mir gern eine Scheibe abschneiden würde. Vielleicht gelingt es mir ja. Wir haben uns viel unterhalten, hatten viel Spaß zusammen.
Dieser Camino war ganz anders als der erste (was klar war), aber auch hier habe ich wieder viel über mich gelernt, ich werde an mir arbeiten und (hoffentlich) das Eine oder Andere ändern können. Ich habe mir einige Vorsätze gemacht, von denen viele auch schon in der Umsetzung sind. Das Leben bleibt spannend.
Der nächste Camino ist auch schon in Planung, diesmal starte ich wieder zu zweit. Geplant ist der Camino Primitivo mit Start in Villaviciosa und nach Santiago de Compostela soll es diesmal endgültig auch mal zu Fuß nach Muxía und Finisterre gehen. Alle guten Dinge sind drei, also sollte es diesmal klappen ;)
(noch in weiterer Überdenkung und Überarbeitung...)

Montag, 22. Oktober 2012

Muxía –> Santiago de Compostela -> Bilbao: Abschied



Früh am Morgen fährt der Bus zurück nach Santiago. Ich nehme wieder eine Tablette und döse vor mich hin, während sich der Typ hinter mir erst mal übergibt. Na prima. Aber auch diese Busfahrt überstehe ich unbeschadet. Im ersten Café neben dem Busbahnhof frühstücken wir erstmal, bevor wir zum Acuario laufen, in dem Tara noch mal zwei Nächte verbringen wird, bis ihr Rückflug geht. Wir schlendern gemütlich in die Stadt, machen diverse Touri-Shops unsicher, trinken Kaffee und probieren es um 12 Uhr noch mal im Parador. Und diesmal haben wir Glück und sind bei der Pilgerspeisung dabei. Ein spanischer Pilger kennt sich schon sehr gut aus, führt uns zum Hintereingang der Küche, die Treppe hoch und dann gibt’s viel zu essen auf die Tabletts. Natürlich gibt es auch Wasser und Wein. Wir sind eine lustige Runde und lassen es uns schmecken.



Den Nachmittag verbringen wir in der Stadt und der Albergue, abends gehen wir noch eine Kleinigkeit essen, bevor der Nachtbus um 18Uhr startet, um mich nach Bilbao zu bringen. Der Abschied von Tara fällt nicht leicht, weil wir jetzt 2 Wochen quasi ununterbrochen zusammen unterwegs waren. Aber leider gehört das zum Leben dazu. Wir winken einander noch zu und dann fährt der Bus los und ich bin weg.
Die Fahrt dauert ewig. Anfangs kann ich mich noch ausbreiten, aber irgendwann ist auch der Platz neben mir besetzt. Mir wird zwar nicht schlecht, aber ich kann auch nicht wirklich schlafen, weil ich einfach keine bequeme Position dafür finde. Dafür bekomme ich im Laufe der Nacht ein Kratzen im Hals. Um mich herum hustet und rotzt es eh viel. Na toll.
Um halb sechs kommt der Bus in Bilbao an und zusammen mit zwei anderen Pilgerinnen mache ich mich gleich mit dem ersten Bus auf den Weg zum Flughafen. Dort legen wir uns noch auf eine Bank und schlummern ein wenig vor uns hin. Das bringt zumindest ein winziges bisschen Erholung, aber ich fit fühle ich mich wirklich nicht. Dann frühstücke ich den Rest vom Joghurt mit Keksen, bevor ich einchecken will. Ein Blick auf die Anzeigetafel zeigt an, dass mein Flug gecancelt wurde. Großartig. Ich verabschiede mich von den zwei anderen, die einen anderen Flug nehmen und schaue, was ich erreichen kann. Ich werde auf einen Lufthansa-Flug umgebucht, der via Frankfurt / Main geht, aber auf den ich erneute 4einhalb Stunden warten muss. Ich fühle mich wie gerädert. Ich bekomme einen Gutschein fürs Frühstück, aber nachdem ich nicht wirklich hungrig bin, will ich nachfragen, bis wann ich denn frühstücken kann. Leider versteht mich das Personal in der Kantine weder auf Spanisch noch auf Englisch und wird immer unfreundlicher, so dass ich dann aufgebe und das Gespräch einfach verlasse. Schade, dass hier kein Bettler sitzt, dem hätte ich den Voucher gleich gegeben.
So verziehe ich mich wieder in eine andere Ecke des Flughafens, versuche noch mal zu schlafen, was mir aber nicht gelingt, trinke Unmengen Wasser, dass ich auf der Flughafentoilette wieder in die kleine Flasche nachfülle, esse irgendwann teures Snickers aus dem Automaten und lese schließlich ein eBook auf dem Smartphone. Irgendwann kann ich endlich einchecken, trinke den Rest Wasser aus meiner Flasche, entsorge diese, passiere die Sicherheitskontrolle und kaufe mir im Kiosk Pfefferminzbonbons für den Hals. Ich lese weiter und warte aufs Boarding. Ich fühle mich, als ob ich meterweit neben mir stehen würde, eigentlich kann ich eine schlafarme Nacht ja gut vertragen, aber ich mit dem Gefühl im Hals werde ich bestimmt krank und so freue ich mich, als ich endlich im Flugzeug sitze und hier raus komme. Neben mich setzt sich ein Mann, der mich auch bald anspricht. Auch er trägt Wanderklamotten und meint, wir hätten sicherlich etwas Ähnliches getan. Ich erzähle, ich bin den Camino del Norte gelaufen, er hat ein Stück des Camino Francés absolviert. Er strahlt Lebensfreude aus allen Poren und irgendwann kommen wir darauf, dass wir uns ja aus dem Pilgerforum kennen. Die Welt kann manchmal so klein sein. Das ist echt verrückt. Wir sind (dem Aussehen nach) wahrscheinlich die einzigen Pilger in der großen Maschine, aber ausgerechnet wir sitzen nebeneinander. Wir unterhalten uns gut und ich freue mich, an seinen Erlebnissen und seiner guten Laune teilhaben zu können. In Frankfurt umarmen wir uns zum Abschied.
Ich fliege nach Nürnberg weiter, wo ich um 18:10 endlich ankomme. Mein Rucksack ist auch da und Michael wartet vor dem Flughafen auf mich und fährt mich nach Hause.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Santiago de Compostela –> Muxía



Heute wollen wir mit dem Bus nach Muxía fahren. Wir frühstücken noch eine Kleinigkeit und mir ist ein bisschen mulmig, wenn ich an die Busfahrten letztes Jahr und meine Übelkeit denke. Im Busbahnhof nehme ich dann eine Vomex und hoffe, dass die auch wirklich hilft. Natürlich sitzt der blöde Spanier auch mit im Bus. Wieso hätte er auch nach Finisterre fahren sollen? Aber das ist mir jetzt auch egal, wer auch immer mich damit ärgern will, ich kann es ja doch nicht ändern. Ich schließe die Augen und versuche, mich weit weg zu denken und ein bisschen zu schlafen. Ich schalte ab und irgendwann sind wir da. Mir ist total schwindlig, als ich aus dem Bus aussteige, aber das kommt vom Kreislauf und nicht von der Übelkeit. Die habe ich nämlich nicht. Die Tablette hat gewirkt. Wir trinken im ersten Restaurant einen Kaffee und gehen dann gemütlich auf die Suche nach einer Herberge. Im relativ neuen „Bela Muxía“ quartieren wir uns ein. Es ist sehr sauber hier, beinahe steril, aber Tara gefällt es, also bleiben wir hier. Anschließend erklimmen den Aussichtshügel, in dem wir den weißen Pfeilen folgen, was mir sehr viel Spaß macht, weil es eine schon beinahe alpine Wegführung ist. Auf dem Weg zur Kirche der Nuestra Señora de la Barca begegnet uns der blöde Spanier, der sich kurz mit Tara unterhält. Ich gehe schon mal weiter und da steht sie: die kleine Kirche, die mich vor einer Weile so fasziniert hat, zu der ich unbedingt wollte. Friedlich steht sie am Ende der Landzunge, während die Wellen gegen die Felsküste peitschen. Ein tolles Bild.





 














Leider ist sie verschlossen. Auf den Piedras Santas, den Felsen vor ihr, steht ein alter Spanier in einer Warnweste wie ein Leuchtturm, der mich zu der Stelle führt, an der die Heilige Jungfrau Maria Jakobus erschienen sein soll. Hier ist eine Art steinerne Sitzbank und er erklärt mir, dass man Glück in der Liebe bekommt, wenn man hier ist. Na, mal schauen.
Später erkunden wir das schöne Örtchen, in dem es noch einige alte Steinhäuser gibt. Anschließend setzt sich Tara an den Hafen und grübelt ein bisschen vor sich hin, während es mich zurück zur Kirche zieht und ich dort sitze. Ein paar Mal gehe ich zurück zur Albergue und komme dabei an einer Hausruine vorbei, in der eine Katze auf einer zerschlissenen Matratze liegt und mich anschaut. Sie wirkt recht zufrieden trotz der nicht ansprechenden Umgebung. Eigentlich würde ich gern einen Sonnenuntergang sehen, aber es ist bedeckt, daher bleibt der mir verwehrt. Später gehen Tara und ich in dem Restaurant lecker essen, in dem wir vormittags noch unseren Kaffee getrunken haben.


Samstag, 20. Oktober 2012

Ein Tag in Santiago de Compostela



Ausschlafen! Ich wache auf, weil ich aufs Klo muss und stelle fest, dass es schon 8:10 ist. Und es ist totenstill. Ich kann nicht mehr schlafen und höre mp3 auf dem iPod und denke so vor mich hin. Momentan geht es mir so gut.
Um halb 10 stehen die Mädels und wir auf. Zum Frühstück gibt’s Müsli mit Soja-Milch. Juchhu! Ich checke noch das Internet und schreibe meine Postkarten, dann geht’s bei Sonnenschein in die Stadt. Ich kaufe Briefmarken und werfe die Postkarten ein. In der Apotheke bekomme ich Dimenhidrinato und dann sind wir auf einer recht vollen Praza do Obradoiro. Rocío und ihre Freunde sind auch hier. Ich umarme Rocío, den blöden Spanier aber nicht. Nein, ich will mich nicht verstellen.


Rocío erzählt, dass wohl der Botafumeiro geschwungen wird, also gehen wir auch in die Messe und lehnen uns an einen Pfeiler. Diesmal singt die Nonne mit der tollen Stimme und es ist sehr schön. Der Botafumeiro wird aber nicht geschwungen. Ich mache mir Gedanken über Nächstenliebe, vor allem in Verbindung mit dem blöden Spanier. Aber wenn mir etwas widerstrebt, wieso sollte ich es dann tun? Ich füge ihm durch Unterlassung ja auch keinen Schaden zu. Ich finde Ehrlichkeit wichtiger.
Dann nehme ich an der englischen Führung über die Dächer der Kathedrale teil. Und das ist wirklich toll! Die Kathedrale hat ein Steindach, weiß Gott, wie die das früher haben bauen können. So etwas fasziniert mich immer wieder. Man findet auch überall Kleinigkeiten, die eine besondere Bedeutung haben. Ich mag diese Kirche. Die Aussicht ist auch toll. Tara ist währenddessen in der Stadt unterwegs. 








Um 14:00 treffen wir uns wieder, laufen ein bisschen herum und setzen uns in ein Café. Ich esse noch ein süßes Teilchen und wir blättern durch eine spanische Klatschzeitung. Danach kaufen wir uns noch Apfel und Tomaten, die wir im Park sitzend verspeisen. Dabei beobachten wir Tauben und Spatzen, die gerade gefüttert werden.
Mittlerweile ist es nach 5 Uhr und in der Stadt ist wenig los. Wir beschließen, zurück zur Herberge zu gehen und später zu versuchen, ob wir im Parador essen können. Auf dem Weg zurück kommen uns einige Pilger entgegen. Die meisten von ihnen grinsen breit übers ganze Gesicht. Francine ist eine von ihnen.
Wir versuchen, Plätze für die Pilgerspeisung im Parador zu bekommen. Leider stehen dort schon 10 Leute und warten und eine Pilgerin motzt uns auch gleich an, dass sie schon vollzählig seien. Na, in solcher Atmosphäre wollen wir auch nicht essen und entscheiden, in der Stadt zu gehen. Das Essen ist wie meist viel zu viel und so rollen wir zurück in die Albergue.

Freitag, 19. Oktober 2012

Pedrouzo –> Santiago de Compostela: Done! :)



Die Nacht war, wie zu erwarten, furchtbar. Gleich drei Schnarcher in unserem 6er Abteil. Da half auch der iPod nicht mehr und ich habe zum ersten Mal meine Ohropax ausgepackt. Um 6:30 stehen wir dann auf, um 7:10 sind wir unterwegs. Es ist neblig und kalt. In der ersten Bar nach Pedrouzo machen wir Frühstückspause und als wir rauskommen, wird es langsam hell. Es geht hoch zum Flughafen, die Atmosphäre ist ein bisschen geisterhaft, aber schön. Heute kommen wir wieder sehr gut voran. Der blaue Himmel zeigt sich und wir sind gut drauf. In Lavacolla machen wir noch mal eine Aufwärmpause in einem Café. Das ist dann schon der zweite Kakao heute. Dann geht’s weiter aufwärts zu den Sendestationen. Die Straße hatte ich viel länger in Erinnerung und mit deutlich mehr Verkehr. Da sind wir auch schon am Monte do Gozo. Genau am Denkmal holt uns Werner ein und freut sich auch wie ein Schneekönig. Er erzählt, dass er gestern von Sobrado mit falschen Schuhen gestartet ist, das aber erst nach 20km gemerkt hat. Geschlafen hat er, wie wir, in Pedrouzo und dort auch seine Schuhe an den Füßen eines Spaniers wieder gefunden.
Ich möchte unbedingt die 2 Pilgerfiguren sehen, also machen wir uns auf die Suche nach ihnen. Doch dort, wo sie meiner Meinung nach stehen müssten, steht nur ein Gerüst. Dafür kann man von hier wirklich die Kathedrale sehen. Juchhu!




Weiter geht’s in die Stadt hinein. Die haben doch tatsächlich das Ortsschild um mehrere hundert Meter ins Stadtinnere versetzt! Ich erzähle Tara von meiner Fahrprüfung und dem Unfall und der Panne danach, weil wir so viele Fahrschulautos sehen. Dann sind wir auch schon in der Albergue Acuario. Die ist erweitert worden. Dafür sind die Pilgerzeichnungen außen weg. Schade. Wir checken ein und kommen im neuen Teil im Zimmer mit Tür unter. Wir sortieren unsere Dreckwäsche aus und nach dem Duschen wandert die in Waschmaschine und Trockner. Ich trage währenddessen meinen Schlafsack. Nach dem Füße versorgen esse ich die Reste, die ich noch habe, also eine ganze Menge. Hier hängen Zettel, auf denen steht: „Take what you need. Love – Patience – Faith – Perseverance…“ Ich nehme „Patience“. Dann nutze ich das WiFi und kuschle mich auf dem Bett in den Schlafsack, höre gute Musik. Die Wäsche im Trockner braucht ewig. Mittlerweile ist es schon 5 und wir waren immer noch nicht in der Stadt. Aber was soll’s:
PATIENCE! I can live with this crap!
Ich bin in Santiago! Ich hab’s wieder geschafft!!!
Und wir haben die nächsten Tage ja auch noch viel Zeit. In den letzten Tagen habe ich mich auch immer wieder nach dem wahren Grund für diesen Camino gefragt. Klar, ich brauchte eine Auszeit. Wollte ich was finden? Eigentlich nicht. Ich wollte mir vor allem beweisen, dass ich das noch kann. Dass ich durchhalte, egal was kommt.
Und – ich habe es geschafft!
Dann ist die Wäsche endlich fertig und wir machen uns auf den Weg in die Stadt. Dunkle Wolken ziehen über Santiago de Compostela und es fängt an zu nieseln. Ich finde den Weg wie im Schlaf. Erst geht’s natürlich zur Praza do Obradoiro, wo erstaunlich wenig los ist. Weil es ja aber nieselt, holen wir uns gleich unsere Compostelas. Und hey, diesmal steht da wirklich mein Name drauf! Und noch nicht mal im lateinischen Akkusativ. Eine Papprolle gibt’s im Souvenirshop nebenan sowie 5 Postkarten. Bei den Correos hole ich mein Päckchen, nur die Touri-Info hat sich irgendwo versteckt. Sie ist wohl umgezogen, jedenfalls war sie beim letzten Mal woanders. Tara will unbedingt Tarta de Santiago essen, also gehen wir in ein Café. Ich hatte mir beim Día vorher Kinderschokolade gekauft. Der Mäßigungsvorsatz ist mal voll in die Hose gegangen. Hm. vielleicht schaffe ich es ja, dass es zuhause besser klappt. Dann fällt mir ein, dass ich ja zur Messe will. Also geht’s zurück zur Kathedrale. Dort umarme ich erstmal den Jakobus. Jetzt ist meine Pilgerreise also endgültig vorbei. Die Kathedrale ist erstaunlich leer und die Messe nichts Besonderes. Hm. Mittags ist wohl mehr los.
Danach ist es schon dunkel und wir gehen ins große Einkaufszentrum zum Riesen-Supermarkt in der Nähe der Albergue. Als wir mit dem Kochen fertig sind, ist es schon 22Uhr. Es gibt Reis mit Mais, Paprika und Erbsen, dazu Truthahnbrust. Viel zu viel. Dazu Sidre. Wir unterhalten uns mit einer Spanierin. Hier ist recht viel los in der Küche. 2 Mädels ziehen noch in unser Zimmer ein.                                                      
Schritte insg.: 38.200

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Sobrado dos Monxes –> Pedrouzo: Camino Francés again



Der Wecker klingelt um 7:00, wir machen uns fertig und packen die Rucksäcke. Ich gucke noch mal schnell ins WiFi. Die schönste Nachricht ist aber erstmal: draußen regnet es nicht mehr!  Um 7:45 starten wir im Dunkeln. Es geht ein Stück aus dem Ort raus und dann auf einem Feldweg weiter. Langsam wird es hell und wir kommen wieder auf die Straße, auf der es nun eine ganze Weile geht. Ab und zu ein Hof, dann kleine Ortschaften, dann endlich Boimorto. Heute sind wir hinter der angegebenen Zeit, warum auch immer. Aber egal, es regnet nicht! In Boimorto kehren wir dann in einem Café ein, ich trinke Kakao und wir frühstücken. Am Ortsende treffen wir auf Werner, der erzählt, dass die anderen im Kloster noch bis 23:30 Party im Schlafraum gemacht haben. Wie gut, dass wir im Hotel waren. Er entscheidet sich, wie wir, für die direkte Variante zum Camino Francés und läuft dann voraus. 



Auf einer wenig befahrenen Straße geht’s ewig geradeaus. Wir unterhalten uns wieder über alles Mögliche. An einer Kapelle machen wir wieder Pause, dann geht’s weiter, bis die Straße in einem Mini-Dorf aufhört, gehen links, 400m geradeaus und dann rechts in die nächste ewig lange Straße geradeaus. Irgendwann kommt ein kleiner Ort und wir machen noch mal Pause in einer Bushaltestelle. Derweil beobachten wir einen Straßenköter, der sich im Dreck suhlt. Die Straße nimmt kein Ende, führt durch einen Wald und macht eine Linkskurve. Irgendwann sind wir dann endlich an der N-574 und damit auf dem Camino Francés. Es sind keine anderen Pilger in Sicht. Wir gehen noch bis A Brea, wo wir endlich wieder eine Bar haben. Hier gibt’s Cola, Snickers und Toiletten. Dann aber kommen Rocío, der blöde Spanier und noch ein anderer. Toll. Der blöde Spanier macht auf superfreundlich. Ich kann ihn trotzdem nicht leiden. Weiter geht’s. Tara humpelt schon, entscheidet aber in Santa Irene trotzdem, dass wir weitergehen  können. Also noch mal 3km auf Waldwegen nach Pedrouzo. In A Rua holen wir uns in der Touri-Info noch einen Stempel. Derweil werden die Wolken immer dicker, aber noch haben wir Glück. Dann sind wir da und alles ist noch genauso wie in meiner Erinnerung. Wir checken ein, bekommen zwei obere Stockbetten, beziehen diese und gehen schnell im Supermarkt nebenan einkaufen. Auf dem Rückweg fängt es an zu nieseln. Tara kocht gleich, also nutze ich die Gelegenheit zum Tagebuchschreiben.
Dann dusche ich (kalt) und lege ein bisschen die Beine hoch. Rocío ist inzwischen auch angekommen. Den blöden Spanier sehe ich nicht. Später setzen wir uns noch in den Aufenthaltsraum, wo ich Joghurt mit Keksen esse und wir Wein trinken. Tara schaut Fotos auf meinem Handy an.                                                                                            
Schritte: 51.800

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Miraz –> Sobrado dos Monxes: Regen. Kalt.



Wir stehen um 6:30 auf. Tara und ich bekommen sogar Müsli zum Frühstück, juchhu! Doch dann müssen wir unser warmes Nest leider verlassen. Draußen regnet es gerade nicht, fängt aber 2 Minuten später an. Zu früh gefreut.
Ich bin wieder die Lampe für uns drei. Hinter Miraz geht’s erstmal in galicische Nirgendwo auf Feldwegen über Felsen. Langsam wird es heller, während wir den Pfützen ausweichen. Es hört sogar mal kurz auf zu regnen, aber leider nicht für lange. Ich fürchte schon um Rucksack und Schlafsack, aber ändern kann ich ja auch nichts. Dann bekommen wir Gesellschaft: der blöde Spanier holt auf und verwickelt Rocío in ein Gespräch. Tara erklärt er, dass er zwar englisch kann, weil er durch seine Arbeit gezwungen wurde, es zu lernen. Mich guckt er, wie schon gestern, noch nicht mal an. Idiot! Er hat einen Stock, den er in den Asphalt, auf dem wir mittlerweile wieder laufen, rammt und hinter sich her schleift. Da bin ich doch schon wieder latent aggressiv.
Aber ich weiß auch, dass das nur eine Phase ist, solange der Typ in der Nähe ist. Leider scheint er das auch erstmal eine Weile bleiben zu wollen. Genau wie der Regen. Wir kehren in einem Bauernhof am Weg ein, wo die Dame des Hauses den anderen Kaffee serviert und es sehr kalt ist. Eigentlich würde ich lieber weiterlaufen. Aber weil ich mal wieder viel zu freundlich bin, lasse ich mich mit den anderen auch noch fotografieren. Wenigstens gucke ich unfreundlich. Weiter geht’s im Regen. Erst eine Abwechslung von Feldwegen und kleinen Straßen, dann geht es auf einer Kreisstraße weiter. Der Regen wird stärker und ab und zu ist auch eine Windbö dabei. Rocío versteht sich scheinbar blendend mit dem blöden Spanier. Schön für sie. Tara und ich laufen im Abstand hinterher, manchmal schweigend, manchmal quatschend. Wir sind nass und mittlerweile sind auch meine Schuhe durch. Es ist klar, dass ich heute Nacht nicht in einer Herberge schlafen kann. Mein Schlafsack wird nass sein. Vom Rest des Rucksacks ganz zu schweigen. Ich hoffe nur, dass ich eine Möglichkeit finde, alles trocken zu bekommen. Tara ist noch nasser als ich und mit dem Vorschlag, in einem Hostal zu schlafen, mehr als einverstanden. In Viloriño kehren wir in einer Bar ein und ich trinke Kakao und esse etwas. Rocío und den blöden Spanier verbanne ich an den Nebentisch, weil ich mit dem nichts zu tun haben will und meine nassen Sachen und mich ausbreite. Anschließend macht der Jakobsweg eine Schleife, von der Cordula aber berichtet, dass es dort Schlammkanäle habe, die ich nicht ausprobieren möchte. Tara und ich laufen auf der Straße weiter, während die anderen der Muschel folgen. Endlich fühle ich mich befreit. Wir laufen langsamer, weil Taras Knie weh tut, aber wir kommen voran. Viel nasser können wir ja nicht mehr werden.

Endlich kommen wir in Sobrado dos Monxes an und kurz darauf haben uns die anderen auch eingeholt. Und, oho, ein Wunder geschieht, der blöde Spanier spricht sogar mit mir, fragt, wo wir heute noch hinlaufen. Rocío und er wollen im Kloster übernachten. Da das imposante Gebäude aber den Eindruck macht, kalt und feucht zu sein, ist das keine Option für uns. Tara und ich checken ins Hotel am Platz ein. Die Dame ist sehr hilfsbereit, hat aber keinen Trockner. Mist. Im Zimmer steht auch nur ein Mini-Radiator, den sie sofort einschaltet. Viel Auswahl haben wir aber nicht. Tara geht sofort duschen, während ich meinen Rucksack ausräume und das Ausmaß des Schadens begutachte. Wir drapieren den Schlafsack und ein paar Klamotten um den heiß bullernden Radiator. Ich gehe duschen und mache Pediküre, während Tara schläft. Es hat eine Weile gedauert, bis ich das DVBT vom Fernseher verstanden habe und dann funktioniert das auch nur gut, wenn es gerade nur wenig regnet. Nach einer Weile muss ich ausschalten. Mir ist superkalt, so dass ich eine Weile in meinem Longsleeve plus Weste unterm Federbett liege.
Irgendwann gehen wir im Regen zum Supermarkt einkaufen. Zum Abendessen gibt es dann Baguette mit Gurke und Käse, Wiener mit Käse, Vanillejoghurt, 2 Kiwis, 2 Puddingtaschen, getrocknete Datteln und Wein. Ich nutze wieder WiFi. Rocío sagt unsere Verabredung ab, weil sie mit den anderen im Kloster isst. Also gucken wir spanisches Fernsehen und genießen die Wärme. In der Zwischenzeit trocknen wir verbotenerweise Kleinteile auf dem Radiator, ohne das Zimmer anzuzünden. Mein Rucksack steht die ganze Zeit daneben und trocknet vor sich hin.             
Schritte: 35.500

Dienstag, 16. Oktober 2012

Vilalba –> Miraz: Der Wendepunkt



Die Nacht war für mich okay, ich habe ja meinen warmen Schlafsack. Tara dagegen hat bitterlich gefroren unter ihrer einen dünnen Decke. Um 6:30 klingelt der Wecker, wir machen uns schnell fertig und dann geht’s raus in den Regen. Da darf die neue Regenhülle gleich ran, die alte verbleibt in einem Mülleimer in der Albergue. Erstmal geht’s lang durch Vilalba, danach mit einer Stirnlampe über teilweise recht matschige Feldwege und kleine Straßen. Langsam wird es hell, es hat aufgehört, zu regnen. An einer matschigen Stelle bleibt mein linker Schuh in der Pampe kleben. Ich kann mich mit dem Schirm ausbalancieren und zurück in den Schuh schlüpfen. Dann geht’s weiter. Wir kommen an die N-634 und weil kaum Verkehr ist, gehen wir an ihr eine Weile weiter. In Saa kehren wir in die Bar ein und machen Frühstückspause. Ich stelle fest, dass wir eine Stunde schneller sind, als im Buch steht. Danach gehen wir noch ein kleines Stück an der Straße weiter bis zum potentiellen Kilometerstein 111,111km, an dem jedoch das Schild fehlt. Wie blöd! Dann gehen wir den offiziellen Camino weiter, ab und zu ist es noch mal matschig, aber nicht mehr so schlimm. Wir laufen gut heute, kommen wieder an die N-634 und beschließen, trotz Autobahnauffahrt an dieser weiter zu laufen. Es regnet immer noch nicht wieder. Aber auch mit der neuen Regenhülle ist der Rucksackdeckel nass. Mist. Aber nicht zu ändern. Vielleicht hat das was mit dem Regenschirm zu tun?
Auf die Autobahn fährt gerade ein Schwertransporter mit einem Flügel für eine Windkraftanlage. Danach sind wir schon in Baamonde. Es ist 11:50 und wir haben für die vermeintliche 6-Stunden-Etappe 4einhalb gebraucht. Wir machen in der ersten Bar Mittagspause und ich komme fast aus dem Klo nicht mehr heraus, weil ich die Tür nicht mehr aufbekomme. Draußen vorm Fenster sitzt eine kleine schwarze Katze und maunzt. Sie bekommt von der Bardame zu fressen. Als wir weitergehen, fängt es wieder an zu nieseln. An der Kirche besichtigen wir noch die Kastanie mit den Schnitzereien und dann geht es an der N-VI (einer alten Bekannten) weiter. Nun regnet es richtig. Uns geht’s trotzdem gut.


















LKW und Güterzug fahren vorbei, die Fahrer hupen, winken. Irgendwann geht’s nach links über die Schienen von der Straße weg in den Wald. Ein Schild weist eine Bar in 6km. Der Regen wird weniger und hört schließlich ganz auf. Ich phantasiere mich in meine eigene Welt. Irgendwas löst sich in mir, als wir durch diesen Wald laufen und ich fühle mich gut. Ab und an passieren wir ein paar Höfe und irgendwann kommen wir zu der kleinen Pilgerbar. 3 andere sitzen hier schon, der Engländer aus Ribadeo und 2 andere, die heute erst aus Baamonde gekommen sind. Hier esse ich mein erstes Stück Tarta de Santiago.
Doch auch die letzten 6km wollen hinter sich gebracht werden, es hilft ja alles nichts. Ab und zu nieselt es wieder. Und irgendwann legt’s in mir den Schalter um und ich würde am liebsten laut rufen: „Hello World! I can live with all this shit!!!“
Juchhu, ich freue mich! :)
Es geht erst auf einer neuen Straße, dann wird’s noch mal matschig und dann sind wir in Miraz. Und in der englischen Herberge im Paradies, die Hospitalera ist superfreundlich, im Kamin brennt ein Feuer, es ist warm und es gibt genug Decken. Ich dusche und wasche meine Oberbekleidung, die hier auf jeden Fall trocken werden sollte und dann wieder gut riechen sollte. Bis SdC sollte das taugen. Mein Rucksack steht derweil vorm Feuer und trocknet. Ich trinke Tee, esse Kekse und schreibe Tagebuch. Heute ist ein toller Tag!
Und es kann nur besser werden.


Zum Abendessen kochen wir Nudeln mit Tomatensoße und Thunfisch, ein typisches Pilgeressen. Es ist so schön kuschelig hier, aber Tara und ich verlassen unser Nest noch mal, um in der Bar was zu trinken und Wechselgeld fürs Donativo zu bekommen. Wir unterhalten uns super. Ich verstehe mich sehr gut mit ihr. Rocío sitzt derweil vorm Feuer und unterhält sich mit einem meiner Meinung nach sehr unfreundlichen und arroganten Spanier. Zurück in der Herberge quatsche ich kurz mit einer Schweizerin. Aber eigentlich will ich jetzt nicht mehr groß reden und kennen lernen, also verschwinde ich im Bett.               
Schritte: 49.500

Montag, 15. Oktober 2012

Gontán –> Vilalba: Mantas, por favor?



Der Wecker klingelt um 8:00 und es ist immer noch kalt. Immer noch 15°C im Raum. Naja, ich habe trotzdem gut geschlafen. Jetzt zahlt sich der Schlafsack wirklich aus. Wir frühstücken noch in der Herberge und gehen noch mal in die Bar, wo es jetzt angenehm nach Kaffee riecht. Rocío und Tara gönnen sich einen und dann sind wir wieder auf dem Weg. Es ist typisch galicisches Wetter: neblig und kalt. In Abadín verpassen wir gleich mal einen gelben Pfeil und laufen einen Umweg. Egal, die Etappe heute ist ja kurz. Dann geht es durch galicisches Farmland, mal auf besseren, mal auf schlechteren Wegen. Rocío und Tara unterhalten sich viel über Filme und ich rede mit, wenn ich kann. Dann überholen wir einen Pilger, den wir noch nicht kennen, mit langen Haaren, der gerade eine Zigarettenpause einlegt. Der Nebel lichtet sich so langsam und es wird weniger kalt. Überall gibt’s Pilze.






 












Bald sind wir in Goiriz, wo wir eine wohlverdiente Mittagspause machen. Wir sind ja auch schon wieder fast 4h ununterbrochen gelaufen. Hier ist aber auch die erste Bar auf dem Weg. Wir lassen uns Zeit, bevor wir wieder aufbrechen. Die Herberge von Vilalba ist jetzt ja auch nur noch eine Stunde entfernt. Wir kommen an einem alten Friedhof vorbei, danach folgt wieder galicisches Farmland. Dann sehen wir die Herberge auch schon vor uns: ein moderner Klotz zwischen der Feuerwehr und dem Roten Kreuz. Wir checken ein und Rocío und Tara finden nur 2 Decken im Haus. Die Duschen sind wenigstens warm. Ich lege kurz die Füße hoch, dann gehe ich zu den anderen runter und nutze das WiFi der Herberge. Der Pilger von vorhin ist wohl Deutscher und macht sich gerade was zu essen. Es ist schon wieder kalt. Ich bedaure, meinen Pulli nach SdC geschickt zu haben. Aber das kann ich nun nicht ändern. Ich helfe mir mit der Weste aus. Die Mädels wollen beim Roten Kreuz nach Decken fragen, die machen aber wohl erst um 17:00 auf. Aber weder dort noch bei der Feuerwehr gibt es welche. Dann gehen wir in den Ort. Es nieselt, daher wärmen wir uns in einem Café auf. Ich bekomme endlich Chocolate con churros. Lecker, aber sehr fettig. Ich hebe Geld ab und kaufe mir in einem Sportgeschäft eine neue (billige) Regenhülle für den Rucksack. Die Suche nach Decken bringt uns noch mal eine große Runde durch den Ort am Krankenhaus vorbei zum Rathaus. Überall sind die Leute sehr freundlich und hilfsbereit, Decken gibt es aber keine. Dann fallen wir noch im Supermarkt ein und ich kaufe im Gegensatz zu den anderen total viel ein und fühle mich wie ein Vielfraß. Zurück in der Herberge gibt es dann kaltes Abendessen: Tomaten, Kekse, Joghurt und unabsichtlich alkoholfreien Sidre, den ich erstmal über den halben Fußboden verteile. Naja, mir wird schon irgendwie warm werden. Im Moment geht’s.                               
Schritte: 38.400



Sonntag, 14. Oktober 2012

Vilanova de Lourenzá –> Gontán



Heute klingelt der Wecker erst um 8:00, weil wir keine lange Etappe geplant haben. Wir frühstücken in der Albergue, Rocío geht noch schnell einen Kaffee trinken und um 9:00 starten wir im Regen. Der hört aber schnell auf, so dass wir noch im Aufstieg unsere Jacken ausziehen können. Rocío spielt Musik von ihrem BlackBerry und wir haben viel Spaß. Wir unterhalten uns über TV-Serien. Irgendwann sind wir in Mondoñedo, wo wir noch mal eine Bar aufsuchen wollen, weil das heute die letzte Möglichkeit vor dem Ziel ist. Natürlich fängt es auf dem Weg in den Ort noch mal an zu regnen. Am Kirchplatz gehen wir in ein Café und weil es hier auch eine „Tarta de Mondoñedo“ gibt, muss ich die natürlich auch gleich ausprobieren. Sie schmeckt aber nur so lala, ist so eine Art Linzer Torte mit Marzipan-Haselnuss-Füllung (aber da ist mir das Original deutlich lieber). Dann checke ich noch das WiFi und anschließend gehen wir noch in die Kirche. Da heute Sonntag ist, ist diese mal nicht verschlossen. Der Altar ist aber recht gülden im Kontrast zu den einfachen Holzbänken. Ich fühle mich ein wenig fehl am Platz, weil Gott für mich so weit weg scheint momentan, aber ich versuche mich dennoch an ein paar Dankesworten.


Anschließend verlassen wir den Ort bergauf im Regen. Nun laufen wir eine ganze Weile auf einem Sträßchen. Am Beginn sehen wir einen Bauern seine Ziegen mit Kartoffeln füttern, dann unterhalten wir uns lang über unsere Leben und die Männer darin. Rocío und Tara sind so unterschiedlich von mir, so unabhängig und frei und so zufrieden mit allem. Genauso, wie Mel es ja auch war. Dies scheint also der Camino der Unabhängigkeit zu sein.
Die Straße zieht sich noch ein bisschen durch galicische Nirgendwo, dann ist es gerade etwas schöner, als wir den Abzweig erreichen und ein paar Backsteine laden (alternativlos) zur Mittagspause ein. Anschließend geht es ein kleines Stück bergab zu einer schaurigen Ruine, kein guter Ort und mich friert es bis ins Innerste. Hier muss ich schnell weg, gut, dass es jetzt eine Weile aufwärts geht, da kann ich mich ein bisschen auspowern und warm werden. Oben erwartet uns eine Baustelle, daneben eine alte Kirche. Am Rand der neuen Autobahn (oder doch N-634, wie die weißen Schilder sagen) geht es unmarkiert weiter. Wir verfranzen und ein bisschen und laufen einen Umweg auf der anderen Seite der Autobahn wieder zurück. Ein Polizeiauto kommt uns auf dem Feldweg entgegen und die Insassen winken freundlich. Aha. Dann finden wir Hinweisschilder auf den provisorischen Jakobsweg und sind also wieder richtig. Wir überqueren die N-634 (oder Autobahn, wie die blauen Schilder sagen, aber wieso verläuft die dann mitten durch den Ort und hat Kreuzungen?), dann geht’s auf kleinen Straßen und Feldwegen weiter. Es kann nicht mehr so weit sein, aber natürlich fängt es noch mal an, stärker zu schauern. So zieht sich der Weg natürlich noch. Dann erreichen wir Gontán und die mitten im Ort gelegene Herberge, wo uns ein Hospitalero freundlich empfängt. Ich bin stinkesauer, weil die blöde Regenhülle wieder nicht gehalten hat und der Rucksackdeckel klatschnass ist. 


Dafür ist die Herberge schön sauber und modern. Ich gehe aufs Klo und esse Kekse, lege unsere nassen Sachen auf den Balkon in die mittlerweile wieder scheinende Sonne und warte, bis die anderen mit dem Duschen fertig sind. Ich genieße die Wärme und operiere anschließend meine Hornhaut. Als ich damit fertig bin, kommt Werner an, der in Gijón einen Pausentag einlegen musste, weil er sich in Villaviciosa die Knie an einer Mauer aufgeschürft hat. Dann versorge ich die Füße mit Salbe und lege sie hoch. Mir wird kalt. Das spanische Paar von gestern kommt an und ich gehe runter in den Aufenthaltsbereich zum Tagebuchschreiben. Ein anderer älterer Deutscher aus München ist auch hier. Wir legen uns noch eine Weile hin. Es ist natürlich wieder arschkalt. Um 20:00 stehen wir auf, machen Pasta mit Chorizo und Käse, dazu gibt’s russischen Salat und Brot. Das macht ein bisschen wärmer. Inzwischen ist eine weitere Deutsche mit Fahrrad hier eingetroffen. Die ist echt nett und sympathisch. Danach wollen wir noch in die Bar. Werner und der andere kommen uns entgegen und fragen entgeistert, ob wir wohl jetzt noch ausgehen. In der Bar riecht es streng nach Bier und diverse Gestalten hängen am Tresen. Ich trinke ein paar Gläser Wein, die mich endgültig aufwärmen. Wir haben viel Spaß. Um kurz vor 10 sind wir zurück in der Albergue und gehen mit den anderen schlafen. Der Hospitalero meint, er habe die Heizung aufgedreht.                               
Schritte: 36.700

Samstag, 13. Oktober 2012

Ribadeo –> Vilanova de Lourenzá: Die ersten Touri-Pilger



Um 6:00 steht der Erste auf. Taras Schlummerfunktion irritiert mich ein bisschen und so will ich schon um 7:10 aufstehen, merke aber rechtzeitig, dass ich noch 20 Minuten Zeit habe. Um halb stehen wir auf, um 8:00 gehen wir los. Wow, wir werden immer schneller. Es ist sehr kalt und windig, aber klar und wird schon langsam hell. Wir finden den Weg durch die Stadt und dann aufwärts weg von der Küste. Durch viele Weiler geht es auf Straßen und Feldwegen, mal sonnig, mal im Wald. Bald finden wir einen Picknickplatz und machen Frühstückspause mit Brot und dem Rest Käse. Als wir weiterlaufen, ist ein spanisches Paar mit Tagesrucksäcken hinter uns, das sich lautstark unterhält. Na prima. Irgendwann sind sie weg, um dann unvermittelt wieder hinter uns aufzutauchen. Der Weg ist hügelig, in der Sonne anstrengend, macht aber Spaß. 



An der Herberge in Gondán haben wir schon eine Stunde auf Cordulas Beschreibung gut gemacht. Wir gehen noch bis San Xusto, wo wir in der Bar Mittagspause machen. Hier gibt es die leckeren mit Creme gefüllten Pastries. Kurz darauf fällt eine Horde spanischer Bus-Tagestouristen ein und verhält sich, wie vom CF gewohnt, so, als ob sie die einzigen Pilger hier wären. Wir ergreifen dann auch schnell die Flucht, nachdem ich Tara über diese Pilgerart aufgeklärt habe. Es geht nochmal bergauf, im Wald eben und dann bergab nach Vilanova de Lourenzá. Wir kommen zeitig an und beschließen trotzdem, zu bleiben. Bisher sind wir die Ersten in der Albergue und reservieren uns gleich mal das 4-Bett-Zimmer. Dann wie gehabt duschen und Füße hochlegen. Währenddessen kommt ein ziemlich erschöpftes spanisches Pärchen an und richtet sich ein. Kurz darauf fallen die Bus-Pilger über uns her und verlangen einen Stempel. Da aber kein Hospitalero da ist, gibt es auch keinen Stempel, erkläre ich ihnen. Als sie wieder verschwinden, zeigt mir der männliche Teil des spanischen Pärchens den Stempel in seinem Erste-Hilfe-Kasten-Versteck. Ups. Er hält aber auch den Zeigefinger vor den Mund und zeigt auf die anderen. Ich muss grinsen und erzähle Tara von dem Vorfall.
Anschließend füllen wir im Supermarkt unsere Vorräte wieder auf. Wieder in der Albergue ist es aber erst 17:20, also gibt’s erstmal Saft und Kekse. Weil es innen zu kalt ist, wollen wir uns raus in die Sonne setzen. Da falle ich fast in ein Erdloch, tue mir aber nichts und komme dann aus dem Lachen nicht mehr raus. Während ich Tagebuch schreibe, sammelt Tara kreative Ideen, was sie zum Kochen und Backen ausprobieren möchte, wenn sie daheim ist.
Die Sonne verschwindet, es wird kalt und wir legen uns nochmal eine Runde aufs Ohr. Um 19:45 klingelt der Wecker. Wir stehen auf und es ist immer noch saukalt. Wir beginnen zu kochen, da kommt Rocío herein und schließt sich uns an. Mit Essen (Nudeln mit Tomatensoße) und Wein wird uns schließlich warm und wir haben viel Spaß.                      
Schritte: 40.300

Freitag, 12. Oktober 2012

Arboces –> Ribadeo: nach Galicien



Ich schlafe mäßig, wache immer wieder auf, habe Durst. Der Rest der Wäsche wird nachts trocken. Mit iPod im Ohr verbringe ich den Rest der Nacht und bekomme so die Schlummerfunktion von Tara nicht mit. Wir stehen um 7:40 auf, machen uns schnell fertig. Leider regnet es draußen. Ich verpacke meinen Rucksack und muss mich in der Lobby noch mal entpacken, weil ich noch ans Portmonee muss, um das Abendessen gestern zu bezahlen. Die Wirtin verlangt 10,- für das Menu, das für Pilger eigentlich nur 8,- kostet. Ich berichtige sie aber. Darüber hat der Regen aufgehört. Juchhu!
Wir gehen auf der Hauptstraße entlang, auf der kein Verkehr ist. Heute ist der spanische Nationalfeiertag, deswegen werden auch fast alle Geschäfte geschlossen haben. In La Caridad erwischen wir dennoch eine offene Bäckerei und gönnen uns süße Stückchen auf dem Weg. Dann geht es ländlich weiter, auf kleinen Straßen, durch Dörfer, Felder, mal auch auf Wiesenpfaden. Bald schwenkt der Weg Richtung Küste, heute laufen wir noch mal ein bisschen auf dem E9. Mittlerweile ist es hell, aber kühl an der See, so dass ich mir Weste und Stirnband anziehe. Ich müsste langsam mal wieder aufs Klo, aber durch die dichte Besiedlung ergibt sich keine Möglichkeit. Egal. Die Gegend ist aber sehr schön. Tara muss auch irgendwann wieder aufs Klo und wir unterhalten uns wieder zur Ablenkung. Bald sind wir in Tapia de Casariego und dort in der ersten Bar, die wir finden können. Eine Wohltat. Die Tienda gegenüber hat geöffnet, aber die Verkäuferin schaut dermaßen argwöhnisch, dass mich ihr Angebot nicht reizt. Richtung Strand verlassen wir den Ort und oberhalb vom Strand machen wir auf einer Bank dann richtig Mittagspause. Mittlerweile scheint auch die Sonne und es ist richtig warm. 



Wir laufen küstennah weiter, haben immer wieder schöne Aussichten und unterhalten uns. Ich kann mit ihr über wirklich alles quatschen. Sie ist so offen, das macht echt Spaß. An einer schön gelegenen Kirche machen wir noch mal einen Stopp zum Füße Lüften und beobachten die Surfer im Wasser und bei ihren VW-Bussen. Dann geht’s noch mal ein bisschen an der Küste weiter, bevor der Weg ins Landesinnere geht. Hier ist es in der Sonne total heiß, meine Arme zeigen schon ein bisschen Allergie, aber es ist nicht mehr weit bis Ribadeo. Noch 600m über die Eo-Brücke, dann sind wir da. In der Albergue ist ein älterer Mann, der Werbung für sein Hostal verteilt. Die Herberge hat 12 Betten, ist recht niedlich. Ich dusche erstmal. Rocío ist mittlerweile auch eingetroffen. Tara macht sich fertig und zu dritt gehen wir in die Stadt, wobei sich Rocío gleich wieder verabschiedet, weil sie irgendjemand getroffen hat, den sie kennt. Wir finden keinen offenen Supermarkt und laut der Touri-Info-Dame gibt es auch keine offene Tienda. Dafür aber eine offene Bäckerei, wo wir gefüllte Teigtaschen und Schweineohren mit Schokolade für heute und Brot für morgen kaufen. In der Herberge essen wir unser leckeres Mahl. 



Dann ist uns kalt und wir beschließen, um 20:10 nochmal in den Ort zu gehen und was zu trinken. Um 21Uhr soll laut Zettel an der Tür jemand in die Herberge kommen und die Credencials abstempeln, es ist also noch Zeit. In Ribadeo ist viel los, aber in einer Nebenstraße finden wir ein niedliches Pub und trinken Sidre. Super! Wir haben Spaß und sind um 21:10 wieder in der Herberge. Ein einzelner Engländer erzählt uns, dass die Hospitalera gerade da war und ihn als Einzigen, der da war, abkassiert hat. Die anderen (Rocío, Peter und ein spanischer Fahrradfahrer) sind noch beim Abendessen. Ja, okay, dann übernachten wir heute eben kostenlos…                                      
Schritte: 42.800

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Luarca –> Arboces: müde



Nachts hört es intermittierend auf zu regnen. Ich schlafe gut. Als wir um 7:30 aufstehen, regnet es nicht mehr. Wir frühstücken noch auf dem Zimmer und starten um 8:20. Erstmal geht’s bergauf, an einer Ermitage haben wir noch mal einen schönen Blick auf Luarca. Es wird gerade hell. Auch wenn ich gut geschlafen haben, bin ich total müde und werde auf dem Weg auch nicht wirklich wach. Wir gehen an der Ruine einer Kirche vorbei und dann auf Feldwegen und kleinen Straßen durch viele Dörfer weiter westwärts. Irgendwann fängt es wieder an zu regnen und wir verpacken unsere Rucksäcke und mein Schirm bekommt seinen ersten Einsatz. Immer wieder schauert es. Zwischendurch überqueren wir zweimal die Großbaustelle der A8 und müssen ein gutes Stück an der kurvenreichen, viel befahrenen N-634 entlang laufen. Taras Kommentar hinterher: „Well, that was… interesting.“ Dann geht’s ruhiger weiter. Wir entscheiden, im nächsten Ort in einer Bar eine Pause einzulegen, kommen aber an keiner vorbei. Also geht es weiter, aber auch in den folgenden Dörfern gibt es keine Bar am Jakobsweg. Müde bin ich auch immer noch und habe das Gefühl, immer langsamer zu laufen. Tara nimmt es mir aber nicht übel und versucht, mich mit Geschichten abzulenken. Wir gehen bergab nach Navia und ein neuerlicher Schauer beginnt. Nach einer kurzen Zeit finden wir aber ein nettes Cafe. Ich gehe aufs Klo, trinke Cola und kann endlich was essen. Tara trinkt Sidre und als ich endlich den gröbsten Hunger beseitigt habe, probiere ich auch. Draußen schüttet es derweil wie aus Eimern. Langsam wache ich auch etwas auf. 


 
Um 14:00 machen wir uns auf den Weiterweg, es regnet nicht mehr. Auf der Brücke überqueren wir den Río Navia und dann geht’s wieder bergauf auf Feldwegen und kleineren Straßen weiter. Irgendwann fängt es wieder an zu regnen und hört diesmal nicht mehr auf. Ich habe meinen Schirm, Tara war es in ihrer Jacke zu warm, deswegen läuft sie ohne. Ich versuche, sie so oft es geht mit unter den Schirm zu nehmen, aber auch so sind wir bald nass. Ich ziehe meine Weste an, weil mir kalt ist. Weiter geht’s im Regen. Als wir am Hotel Lombó vorbeikommen, entscheiden wir uns, hier zu bleiben. Wir müssen aber noch etwas warten, weil das Zimmer noch nicht fertig ist. Dafür gibt’s WiFi. Die Wetteraussichten sind etwas besser für die nächsten Tage. Okay. Im Zimmer gehe ich erstmal wieder duschen und Wäsche waschen. Nach dem Füße hochlegen trinken wir im Restaurant Kakao und ich nutze das WiFi. Dann gehen wir wieder aufs Zimmer und gucken TV. Der Regen hat mittlerweile aufgehört.
Ich döse noch ein bisschen. Später schaffe ich es, den Heizkörper zu aktivieren. Und die Heizung funktioniert sogar! Wir heizen auf volle Pulle und trocknen unsere Sachen. Zum Essen gehen wir wieder ins Restaurant. Während wir bei Paella, unserem ersten Gang, sitzen, kommen Rocío und Peter, ein Deutscher aus Hessen, und begrüßen uns überschwänglich. Rocío ist heute 42km gelaufen! Auch sie bestellen das Menu und es wird etwas eng am Tisch. Währenddessen isst die Familie, der das Hotel gehört an einem anderen Tisch. Der zweite Gang besteht aus Pommes mit Spiegelei. Naja. Zum Nachtisch gibt’s eine eiskalte Orange. Aber der Wein hat mich wenigstens wieder ein bisschen aufgewärmt. Im Zimmer ist die erste Wäscherunde schon trocken und ich wasche noch mehr Wäsche, die dann auf der Heizung Platz nimmt. Dann geht’s mit iPod schlafen.
Schritte: 40.700

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Santa Marina –> Luarca: Asphalt II



Wir schlafen gut und mückenfrei, bis der Wecker um 7:00 klingelt. Weiter geht’s immer an der Straße entlang durch Barrancos und Dörfer. 3h später erreichen wir Cadavedo und gehen in eine Bar, weil wir beide dringend aufs Klo müssen. Ich frühstücke gleich. Es nieselt wieder ein bisschen. Wir unterhalten uns heute viel über TV-Serien und Bücher. So vergeht die Zeit und die Strecke recht schnell. Ab und zu geht es heute auch auf nicht-asphaltierten Wald- und Feldwegen. Am Hotel Canero machen wir Mittagspause und lüften unsere Füße, während ein spanisches Pilgerpaar weiter geht und uns den Weg zeigt. Dann geht’s kurz an einem Fluss weiter in eine Bucht, wo wir bergauf zur Straße zurückkommen. Hier geht es dann ein gutes Stück weiter bis der Weg schließlich Richtung Luarca abzweigt. Wir finden noch mal einen Feigenbaum und bedienen uns. 


Dann treffen wir auf eine Vierergruppe verrückter Holländer, die viel Spaß zu haben scheinen und sich freuen, uns zu sehen. Durch Vororte geht’s auf vielen Straßen nach Luarca, die Holländer sehen wir immer wieder vor uns. Wir steigen in die malerische Bucht von Luarca ab, kaufen uns in der ersten Panaderia zwei Teilchen und checken im Hostal gegenüber ein. Im Zimmer essen wir erst lecker, dann dusche ich und kann meine Sachen heute sogar im Sitzen (auf der Toilette) waschen. Was für eine Wohltat für die Füße! Den ganzen Tag unterhalten wir uns viel über Essen, Obst, Milka-Schokolade und andere Dinge, die wir mögen.



Wir gucken uns den Ort an, kaufen Postkarten, gehen zum Supermarkt und in eine Bar, wo ich heiße Schokolade trinke und endlich wieder WiFi habe. Die Wetteraussichten sind etwas gemischt, mal schauen, was uns da erwartet. Anschließend gehen wir aufs Zimmer, öffnen den Rotwein, ich esse Kekse und Joghurt zu Abend. Dann schreiben wir unsere Postkarten. Ich habe 8 Stück, aber das Schreiben geht gut. Wir gehen sie gleich einwerfen und ich frage mich, wie lange sie wohl diesmal brauchen werden. Leider fängt es dann an zu regnen und wir verzichten auf Luarca bei Nacht und gehen zurück, mein Schirm liegt natürlich im Zimmer.                                  
Schritte: 39.000

Dienstag, 9. Oktober 2012

El Pitu –> Santa Marina: Asphalt I



Keine Mücken, juchhu! Ich habe recht ordentlich geschlafen. Wir stehen um 7:30 auf, packen und frühstücken im Extra-Haus hinter dem Hotel. Dann geht’s an der Straße entlang abwärts nach Cudillero, einem Hafenörtchen, dessen Häuser sich an die Hänge der Bucht schmiegen. Am Hafen vorbei auf der Straße machen wir die verlorenen Höhenmeter wieder gut. Tara ist heute etwas müder als gestern, was aber kein Problem ist. Oben haben wir noch mal eine schöne Aussicht auf das düstere Meer. Der Himmel ist bedeckt und bald fängt es an zu nieseln, wird aber auch diesmal nie wirklich schlimm. Wir laufen auf der Straße auf eine Baustelle zu, die an der Kreuzung zur N-632 liegt. Hier lässt uns ein freundlicher Bauarbeiter passieren, damit wir am Rand der viel befahrenen Bundesstraße weiterlaufen können. Da der Abzweig bei Rellano etwas undurchsichtig ist, bleiben wir auf der N-632 und als wir sehen, dass wir doch auf der anderen Straße hätten laufen müssen, klettern wir über die zwei Leitplanken hinüber. 



Weiter geht es also auf der alten N-632a, durch Wald, kleine Dörfer und Weiden. Auch heute verbrennen die Spanier viel in ihren Gärten. Wir verlassen die Straße auf einen Feldweg, der nach Mumayor führt und hinter dem Dorf durch den Wald abwärts wieder zur N-3632a zurück. Dann sind wir auch schon in Soto de Luiña, wo wir bei der Bar Mittagspause machen, Füße lüften, Coke trinken. Wir scheinen die Attraktion des Ortes zu sein, viele Leute grüßen uns ganz überschwänglich. Anschließend gehen wir noch im Supermarkt einkaufen und ich hole mir im Tabakladen meine ersten Postkarten, irgendwann muss ich ja mal anfangen, welche zu schreiben. Dann geht’s weiter auf der Straße, immer weiter, durch Barrancos und Dörfer, durch Wald, mal nahe der Autobahn, mal mit Meerblick. Ich erzähle Tara meine Lebensgeschichte und sie hört zu. Währenddessen wird es wieder sonniger und wärmer, aber wir laufen oft im Wald, da ist das okay. Wir sehen noch den alten Pilger, der seinen Wagen hinter sich herzieht. In Novellana machen wir noch mal Rast, dann laufen wir durch bis Santa Marina, wo wir in die Pension Prada einchecken. In dem Zimmer scheinen auch schon diverse Mückenschlachten stattgefunden zu haben, die MV-Geschichte habe ich Tara heute Morgen erzählt. Wir duschen, dösen, legen die Beine hoch und essen Oreos und Apfel.
Später gehen wir noch in der Bar was trinken und die Ruhe genießen. Als ich Hunger bekomme, gehen wir zurück und es gibt Brot, Gurke, Käse und Joghurt zum Abendessen. Wir unterhalten uns sehr lange über alles Mögliche, Spirituelles, die unterschiedlichen Lebensweisen, die wir haben und die trotzdem gut funktionieren.                   
Schritte: 36.200

Montag, 8. Oktober 2012

Avilés –> El Pitu: neue Zeiten, neue Eindrücke



Die Nacht war grauenvoll. Ich wache mittendrin auf und mir ist sehr warm. Ich gehe kurz aufs Klo und lege mich anschließend wieder in den Schlafsack. Mücken surren um meine Ohren, wie ich das hasse. Also ziehe ich den Reißverschluss vom Schlafsack zu, stöpsle den iPod ein und schmore so im eigenen Saft bis 7:30, wo alle anfangen, aufzustehen. Ist das grässlich, ich fühle mich jetzt schon eklig. Aber duschen würde jetzt auch nicht viel Sinn machen. Den Schlafsack muss ich recht klamm einpacken. Bäh! Da freue ich mich doch jetzt schon auf ein schönes Hotelzimmer und ein richtiges Bett.
Die anderen und ich gehen erstmal in einer Bar frühstücken, wobei ich nichts esse, weil ich mir später was im Supermarkt holen will. Anschließend brechen wir auf. Es ist recht wolkig und warm, was mir ja recht ist. Ronald geht in eine Bank, wir schon mal weiter und bald darauf haben wir die Pfeile verloren. Ein Einheimischer erklärt, es gäbe zwei Möglichkeiten, weiterzugehen: auf einen Hügel in Avilés und damit auch wieder auf den Jakobsweg stoßen oder auf der Hauptstraße um den Hügel rum, wo der Jakobsweg später wieder drauf käme. Rocío will Ronald holen, der immer noch nicht aufgetaucht ist. Tara und ich gehen schon mal los. Sie erzählt viel aus ihrem Leben, der Arbeit als Köchin auf diversen Jachten, ihrer Familie, ihren Reisen. Sehr nett und lustig. Wir finden einen Lidl, der schon offen ist und gehen einkaufen. Ich kaufe gleich einen ganzen Laib Brot, aber es ist frisch und Mehrkorn. Die Vorräte wieder aufgefüllt, geht es weiter an der Hauptstraße um den Hügel rum und bald stößt auch wieder der Jakobsweg zu uns. Francine läuft vor uns. Nun geht der Weg über Nebenstraßen durch schöne Vororte. In einem hole ich mir in einer Apotheke ein Mittel gegen Mücken. Von denen habe ich die Nase gestrichen voll.
Bald wird es wieder hügelig und anstrengend. Mittlerweile ist es ganz bedeckt und schwül. Irgendwann setzen wir uns in einen Picknick-Park und ich mache Frühstück, vorhin habe ich nur schnell ein süßes Teilchen gegessen. Nun genieße ich das frische Brot mit Joghurt und einem Apfel. Die Wolken werden dunkler und als wir weitergehen, nieselt es auch ab und zu ganz leicht. Aber auch das soll mir recht sein. Es wird ländlicher und waldiger. Irgendwann erreichen wir Santiago del Monte, wo es wieder aufwärts geht. Dann wieder Wald und die Wolken verziehen sich. Als wir in El Castillo ankommen, ist es wieder sonnig und heiß. Auch hier ist es wieder sehr schön. Wir unterhalten uns recht gut und ich erfahre, dass Tara eigentlich nicht heiraten und Kinderkriegen will. Komisch, dass ich momentan auf so viele Frauen in meinem Alter treffe, die mit ihrer Unabhängigkeit und ihrem Lebensstil so zufrieden sind. Wahrscheinlich sollte ich mir da eine Scheibe abschneiden. Entweder Mr Right kommt, oder eben nicht.
Ich würde mich gerne setzen, aber weder in El Castillo noch in Soto del Barca findet sich eine Bank im Schatten. Dafür gibt’s auf der Landstraße danach frische Feigen. Lecker! Kurz darauf überqueren wir die Ría auf einem sehr schmalen Seitenstreifen der Landstraße. Das spanische Pärchen haben wir kurzfristig hinter uns gelassen, aber beim anschließenden Aufstieg im Wald überholen sie uns wieder. Soll mir recht sein, ich sehe die zwei lieber von hinten. 


Wir erreichen Muros und endlich auch eine Bank im Schatten. Mittagspause, Schuhe aus, Essen. Dabei beobachten wir eine weiße Katze, die mit Herbstlaub spielt. Langsam wird es windiger und der Schweiß kühlt ab. Ich fühle mich ja schon den ganzen Tag klebrig und freue mich immer mehr auf die Dusche. Wir steigen im Ort bergauf und durchqueren ihn und laufen bald eine Weile in einem dichten Wald. Hier fühle ich mich, als ob jegliche Zivilisation weit weg ist. Ein MTBler überholt uns freundlich. Irgendwann kommen wir dann aber doch zurück in die Zivilisation und nach El Pitu. Geschafft!


Naja, fast, bis zum Hotel sind es noch 10 Minuten. Dort ist es aber sehr schön, der Portier sehr freundlich und alles sauber. Ich genieße gleich die Dusche, lege die Füße hoch, gucke mir die nächsten Etappen an. Dann gehe ich Wäsche waschen und den Schlafsack zum Lüften aushängen. Ich teile mir noch ein süßes Stückchen mit Tara. Das WiFi funktioniert leider nicht, dann müssen die anderen eben auf eine Nachricht von mir warten. Postkarten habe ich auch noch keine geschrieben, ja noch nicht mal welche gekauft.
Abends gehen wir noch in ein Restaurant und bekommen für 12 Euro ein riesiges Menu: Ich habe einen großen gemischten Salat, dann Seehecht mit Kartoffeln und Flan de Queso. Wir schlagen uns die Mägen voll und rollen zurück ins Hotel.             
Schritte: 40.200

Sonntag, 7. Oktober 2012

Deva (Gijón) –> Avilés: Ende und Anfang



Bis zum Weckerklingeln kann ich tatsächlich noch ein bisschen schlafen. Dann gehe ich erstmal Mel wecken, die dann auch ihr Zeug nimmt und in der 9 zusammenpackt. Um kurz nach 7 brechen wir auf und laufen auf der N-632 und diversen Nebenstraßen nach Gijón. Wir passieren den Botanischen Garten, die Uni, Außenbezirke und kommen schließlich am Fußballstadion vorbei in die Neustadt mit vielen Hochhäusern. Ich fühle mich gefangen und mir läuft der Schweiß runter. Kurz vor dem Strand kaufen wir Brot und süße Stückchen bei einem Bäcker. Dann kehren wir in einem Cafe ein, trinken Kaffee und Saft und essen unsere sehr leckeren Stückchen. Es ist 8:30. Mel überlässt mir Raimund, damit ich für meine zukünftigen Etappen noch mehr Infos habe. Sehr nett von ihr. Bis die Touri-Info um 10 aufmacht, schauen wir uns noch die Altstadt an, die nicht wirklich existiert. Ein paar Gestalten sind von gestern Nacht noch hängen geblieben, aber die Polizei ist auch überall präsent. In der Altstadt gibt es den Santa-Catalina-Hügel mit einer alten Festungsruine wie die Forts in Ulm. Und eine hässliche Betonskulptur, die das Wahrzeichen der Stadt ist. Dann gehen wir zur Touri-Info, ich hole mir einen Stempel und Mel sich Info zur Verbindung nach Porto. Dann laufen wir noch ein kleines Stückchen zusammen und verabschieden uns. Wir wollen uns am 20. in SdC treffen. Es fließen keine Tränen.



Trotzdem ist es komisch, ohne sie weiterzulaufen. Nach 5 Minuten höre ich dann mein erstes „Animó! Buen Camino!“ wieder und freue mich. Lange zieht sich der Weg aus der Stadt raus. Es wird sonniger und wärmer. Ich finde eine offene Alimentacion und kaufe noch 2 Äpfel bei einer netten Verkäuferin. Dann geht es weiter aus der Stadt raus, ins Industriegebiet rein. Vor mir ist die Bahnhaltestelle, wo ich ausgestiegen wäre, wenn ich die Bahn genommen hätte. Ich war wirklich versucht, aber irgendwie wollte ich dann doch laufen. Es ist gerade eine Bahn angekommen und ein jüngeres spanisches Pärchen läuft nun vor mir den Berg hoch. Sie hat Stöcke ohne Kappen und rammt diese in den Asphalt. Argh! Ich überhole, grüße, muss aber kurz darauf anhalten, um meine Hosenbeine abzuzippen und mich einzucremen. Mittlerweile laufe ich durch kleine Dörfer bergauf, das Industriegebiet und Gijón noch in Sichtweite hinter mir. Irgendwann habe ich die Höhe erreicht und laufe recht schattenlos über die Ebene. Es ist nichts los.

















Meine Füße melden sich wieder und ich laufe aber noch ein gutes Stück eben und dann bergab, wo ich mich vor die Kirche Santa Eulalia setze und Mittagspause mache. Die Spanier sehe ich wieder und eine einzelne Pilgerin. Essen und Pause tut gut, bevor es weiter durch die Landschaft geht. Bald ist aber auch das vorbei und ich komme in die Industrie vor Avilés. Hier geht es ewig an der Nationalstraße entlang. Es ist sehr heiß, puh! Sehr anstrengend! Irgendwann hält ein Auto neben mir, ein Typ namens José stellt sich vor und fährt weiter, als er bemerkt, dass ich nicht so angetan von ihm bin. Weiter, immer weiter, schließlich auch durch die ersten Vororte. In einer Alimentacion hole ich mir noch eine neue Halbliterflasche Wasser, mein Aquapack habe ich bald ausgetrunken und das Brunnenwasser von Santa Eulalia schmeckt komisch. Ich esse den zweiten Apfel und den Rest Kekse in einer schattigen Bushaltestelle. Dann geht’s wieder weiter. Avilés 4km, Albergue 2km, juchhu! Ich habe keine Lust, alle paar hundert Meter die Straßenseite zu wechseln, also gehe ich über die Autobahnauffahrt hinüber. Ein Auto hupt, dabei passe ich doch auf. Und dann erreiche ich Avilés und bald auch die Albergue. Bei einem alten Mann checke ich ein und weil er sieht, dass mein Credencial bald voll ist, schenkt er mir ein neues. Die Französin ist auch schon da. Ich bekomme Übersetzungshilfe von einer einzelnen jungen Spanierin, weil der alte Mann mich nicht versteht. Dann gehe ich auspacken, Bett belegen, duschen, Wäsche waschen. Die einzelne Pilgerin von heute Mittag ist eine Engländerin namens Tara. Ich habe viel Sonne abbekommen, meine Haut bitzelt. Ich hoffe wieder, dass es keine Allergie wird.
Nach dem Schreiben setze ich mich zu Tara, Ronald, dem Holländer und Rocío, der Spanierin. Wir quatschen ein bisschen und beschließen, Abendessen bei einem Take-Away zu holen. Also humpeln wir in die Stadt und kaufen dazu gleich noch Wein. Francine, die Französin, hat uns auf die Idee gebracht. Das spanische Pärchen ist mittlerweile auch in der Albergue eingetroffen. Eigentlich kurz nach mir, obwohl ich auf der Straße niemanden hinter mir gesehen habe… Ich mag sie nicht, kann aber auch nicht sagen, warum.
Wir holen also unser Essen und machen es uns im Innenhof der Albergue so gemütlich, wie es eben geht. Ich hole noch mein Brot und zusammen von allem werde ich auch satt. Wir beschließen, morgen nach El Pitu zu laufen, wo es günstige Hotels gibt. Tara will sich ein bisschen an mich halten, weil ihr Rückflug am 24. geht. Das ist okay, denn sie ist sehr nett. Nach dem Essen gehen wir noch mal in die Stadt, weil die anderen noch einen Kaffee wollen. Wir sitzen in einer Bar und schauen die zweite Halbzeit des Classico FC Barcelona – Real Madrid. Ronald spricht dem Alkohol gut zu und torkelt dann ziemlich, als wir wieder in die Albergue laufen. Wir machen uns bettfertig. Francine schläft schon. Um 22:20 mache ich schließlich das Licht aus.                     
Schritte: 46.100