Freitag, 16. November 2012

Camino del Norte: Resümée

Ich bin dann tatsächlich krank geworden und musste  für anderthalb Wochen daheim bleiben. Einerseits war das natürlich blöd, denn ich bin ja nicht gern krank. Andererseits hatte ich dann auch noch ein bisschen Zeit, um Abstand von meinen Erlebnissen gewinnen und mich langsam wieder in den Alltag einzugliedern. Das hat so erstaunlich gut geklappt. Auch wenn ich insgesamt 7 Wochen nicht auf der Arbeit war, habe ich schnell wieder reingefunden.
Wie fand ich also den Camino del Norte?
Sehr unterschiedlich. Ich habe mich eine ganze Weile schwer getan, ein wirkliches Pilgerfeeling zu bekommen. Anfangs hatte ich das Gefühl, mehr vor mich hin zu stolpern, hatte immer wieder irgendwelche kleinen Anpassungsstörungen, sei es der verlorene Rucksack am Anfang, Markus, die Schwindelanfälle. Ich kam irgendwie nicht rein. Ich habe mir wieder neue Schuhe gekauft, in denen ich mich dann endlich wohl gefühlt habe. Die Landschaft war sehr schön, hat mich aber oft nicht so wirklich vom Hocker gehauen. Ich bin wohl wirklich ein Bergtyp. Meine Beziehung zum Meer hat sich nicht geändert. Es macht mich immer noch eher unruhig. Ich habe mich oft gefragt, warum ich ausgerechnet diesen Weg gehen musste.
Der viele Asphalt hat mich oft an den Rand der Verzweiflung gebracht. Dieses monotone Laufen auf so festem Untergrund ist einfach nichts für mich. Blasen hatte ich anfangs ein paar, aber es war keine dabei, die mich behindert hat. Vielmehr taten mir ständig die Fußsohlen weh. Die waren aber auch das einzige körperliche Übel, wenn man mal vom Rucksack absieht, der nur ab und zu gedrückt hat. Die Mücken haben mich mitunter auch sehr geplagt. Mit denen hatte ich nicht gerechnet.
Ich hatte jedoch starke Begegnungen, vor allem mit Mel, Rocío und Tara, von deren Unabhängigkeit und Lebensfreude ich mir gern eine Scheibe abschneiden würde. Vielleicht gelingt es mir ja. Wir haben uns viel unterhalten, hatten viel Spaß zusammen.
Dieser Camino war ganz anders als der erste (was klar war), aber auch hier habe ich wieder viel über mich gelernt, ich werde an mir arbeiten und (hoffentlich) das Eine oder Andere ändern können. Ich habe mir einige Vorsätze gemacht, von denen viele auch schon in der Umsetzung sind. Das Leben bleibt spannend.
Der nächste Camino ist auch schon in Planung, diesmal starte ich wieder zu zweit. Geplant ist der Camino Primitivo mit Start in Villaviciosa und nach Santiago de Compostela soll es diesmal endgültig auch mal zu Fuß nach Muxía und Finisterre gehen. Alle guten Dinge sind drei, also sollte es diesmal klappen ;)
(noch in weiterer Überdenkung und Überarbeitung...)