Montag, 18. März 2013

Muxía –> Finisterre



Wecken wie immer um 7:00. Die Heizung war gestern schon wieder aus, als wir abends zurück in die Herberge gekommen sind. Juchhu. Trotzdem habe ich nicht gefroren. Als einziges ist frühs das Licht im Flur an. Zum Frühstücken trage ich die Bank im Zimmer an die Tür. Die Socken sind nicht trocken geworden und kommen außen an den Rucksack. Aus dem Fensterchen sehe ich blauen Himmel mit etwas mehr Wolkenfetzen als gestern. Um kurz nach 8 verlassen wir die Herberge und nachdem es ja trocken ist, machen wir uns auf den Weg nach Finisterre. Wir gehen von der Herberge gleich nach links oberhalb von Muxía, das hier sehr nach Island aussieht, verlassen den Ort nordwärts auf einer Straße, wo uns einige Schulbussen entgegenkommen. Es ist windig, aber mit den Händen in den Hosentaschen geht’s. Dann geht es auf einer Nebenstraße bergauf und im nächsten Dorf wechsle ich die Schichten und dann geht es auf guten Wegen weiter bergauf in den Wald. Ich schalte wieder auf Automode. Das Wetter ist gut, die Sonne scheint, aber es hat mehr Wolken als gestern. Irgendwann haben wir den Höhepunkt der Etappe erreicht, es geht wieder abwärts, kurz auf Straßen und dann wieder auf teilweise matschigen Feld- und Waldwegen weiter. Aber bisher gibt es dort kein Problem. Kurz vor Lires kommt die neue Pilgerbrücke, über die wir ganz froh sind, weil die Trittsteine meist knietief unter Wasser liegen. Dann schauert es kurz und dann sind wir schon in Lires. Dort suchen wir die Bar auf, schließlich brauchen wir hier ja einen Stempel. Es ist 11:30 und wir essen zu den Kakaos noch Bocadillos. Es gibt WiFi und bald kommen noch andere Pilger. Ein Deutscher und ein Pole, die den Norte gelaufen sind, gestern den Bus nach Muxía genommen haben und nun zurück nach Santiago laufen. Dann noch die schnelle Tschechin, die gestern auch in Muxía war. Als wir gehen wollen, schüttet es gerade und so unterhalten wir uns noch mit den anderen Pilgern. Dann hört es auf und wir folgen weiter den gelben Pfeilen.



Schnell wird uns klar, dass die uns ganz anders führen als in den (veralteten) Beschreibungen, die wir haben. Es geht kurz an der Küste entlang und dann in den Wald. Die Wege werden zunehmend schlechter und stehen bald ganz unter Wasser, so dass wir auf benachbarte Wiesen, die kaum besser beieinander sind, ausweichen. Wir waten Schritt für Schritt voran. Bald sind meine Schuhe nass, innen aber noch trocken. Wir überklettern Mauern, die teilweise mit Ranken überwuchert sind und schlagen uns dann durch vertrockneten Farn in den Wald. Adventuring pur! Wir bleiben nah beim Weg, laufen dort, wenn es geht. Ein Bauer fährt mit seinem Traktor plus Anhänger an uns vorbei und grüßt freundlich. Irgendwann haben wir es geschafft, der Weg wird besser und wir entern wieder die Zivilisation. Auf Straßen geht es durch Orte, die nicht erkannt werden wollen, weil sie alle kein Schild haben. Es regnet immer mal wieder. Ich trage den Poncho und wir suchen Zuflucht in einem Bushäuschen, in dem ein Mofa parkt. Dann geht es mal wieder hügelaufwärts, eine Weile durch den Wald in das nächste offene Land. Wir haben keine Ahnung, wo wir sind, aber so lange es noch gelbe Pfeile und Steinpoller gibt, folgen wir denen. Es geht noch mal durch unbekannte Dörfer und Häusergruppen an bellenden Hunden vorbei hügelaufwärts in den nächsten Wald.

der Weg...


das Ende ist in Sicht

Und gerade, als ich glaube, die Hügel nehmen kein Ende mehr, geben die Bäume den Blick auf Finisterre frei. Dort habe ich es zwar nicht vermutet, aber meine Füße freuen sich, dass sie bald da sind. Das dauert aber noch eine ganze Weile, erstmal geht es hügelabwärts und dann auf Straßen durch Vororte, was sich ganz schön zieht. Es regnet noch mal kurz. Ich habe richtig Hunger. Das nervt! Irgendwann kommen wir zur Hauptstraße und in den Ort. Ich finde den Weg zur Herberge. Dort bekommen wir unsere Urkunden und ich kann es nicht glauben, dass wir es bis hierher geschafft haben. Übernachten wollen wir heute aber woanders, weil wir morgen ausschlafen wollen und nicht um 8:00 die Herberge verlassen. Ich würde gern in die private Unterkunft, wo ich vor 2 Jahren schon war, aber im Laden wir gesagt, dass die erst Ende des Monats aufmacht. Im Hotel Ancona wird gebaut und die Herberge Finistellae hat auch noch zu. Also kaufen wir erstmal im Supermarkt Verpflegung und essen im nahen Park. Sofort geht es mir besser. Wir checken schlussendlich in der Herberge da Paz ein, wo wir die einzigen Pilger sind und ein 4-Bett-Zimmer bekommen. Ich stelle einen Radiator ins kühle Zimmer, der gleich arbeitet. Wir richten uns schnell ein, aber weil es schon halb 6 ist, machen wir uns dann auf den Weg zum Faro. M. wundert sich über den Autoverkehr auf der Straße, den ich aber kenne. Der deutsche Pilger von heute Mittag kommt uns entgegen und wir unterhalten uns kurz. Am Faro ist nicht so viel los. Wir machen Fotos, starren ins Meer, essen Schokolade sind bald wieder auf dem Rückweg, wo es noch mal regnet. Diesmal habe ich aber den Poncho dabei und die vorbeifahrenden Autofahrer gucken blöd, als sie uns überholen. 


Zurück in der Herberge gehen wir gleich Unisex-Duschen. Ich lege kurz meine Füße hoch. Was für eine Wohltat! Ich bin schon ganz froh, morgen nicht mehr laufen zu müssen. Es war schon ganz schön anstrengend, aber wir hatten ja auch nicht die optimalsten Bedingungen. Aber ich bin froh, es endlich auch zu Fuß an die Küste geschafft und alle meine Ziele erreicht zu haben. Und natürlich, dass M. dabei war. Wer weiß, ob ich es allein geschafft hätte.
Um 20:30 machen wir uns im Regen auf zum Hafen und kehren im Restaurant „El Puerto“ ein, wo wir ein sehr reichhaltiges und leckeres Menu del Dia essen und anschließend Tagebuch schreiben.
Schritte: 53.000 (inkl. Faro)

Sonntag, 17. März 2013

Olveiroa –> Muxía



Wie gewohnt klingelt der Wecker um 7:00, gut eingepackt habe ich gut geschlafen. Draußen gibt es einen blauen Himmel und Wolkenfetzen ziehen vorbei. Wir frühstücken im Zimmer und dann geht’s los. Zuerst ist es natürlich ziemlich kalt, aber die Sonne wärmt schon angenehm. So kann ich wenigstens schöne Fotos machen. Der Ort hat viel aus sich gemacht. 

 


Raus geht’s auf Schotterwegen, hügelaufwärts durch Buschland, am Windpark vorbei. Den Weg kann man gut gehen. Es geht durch ein paar Dörfer und bald schlagen wir bei Hospital die Route nach rechts nach Muxía ein und kommen bald nach Dumbría, wo wir gleich bei der neuen Albergue rauskommen. Nebenan ist eine große Turnhalle, in der es momentan wohl eine Veranstaltung gibt. Man hört Geschrei und Tröten. In der ersten Bar kehren wir gleich ein, schließlich brauchen wir noch ein paar Sellos und auch wieder Kakao. Außen schauert es kurz, dann kommt gleich wieder die Sonne raus. Nebenan wird gerade die Kirche aufgeschlossen, wo wir anschließend kurz hineingehen. Auch Dumbría hat einiges aus sich gemacht. Wir verlassen den Ort auf einer Nebenstraße, dann geht es auf Feld- und Waldwegen weiter. Irgendwann schauert es noch mal kräftiger, aber ich harre ohne Poncho und Regenhülle aus. Danach bin ich zwar nass, aber das trocknet bald wieder. In Vilastose haben wir die Hälfte der Etappe hinter uns. Ein bisschen Hunger haben wir schon, aber es ist noch zu früh für die Mittagspause. Nun geht es erstmal länger durch Wald auf- und abwärts. Eine Stunde später kommen wir nach Quintáns, wo wir gleich in die Bar einkehren, um Mittagspause zu machen. Eigentlich gibt es hier keine Bocadillos, aber die Bedienung macht uns extra welche mit grober Salami und Käse. Dazu trinke ich Kas Naranja. Danach geht es durch hügelige Landschaft und einige kleine Dörfer. Wir sehen einen megalangen Hórreo bei einem ehemaligen Kloster. 


Ich denke mich wieder viel in meine Phantasiewelt, was auch sehr schön ist, aber irgendwann haben die Füße keine Lust mehr. Wir kommen zum Meer, aber von Muxía keine Spur. Stattdessen geht es weiter hügelig durch Dörfer und Landschaft. Irgendwo muss ich mich noch mal setzen. Ich mag nicht mehr laufen, weiß nicht, ob ich morgen noch nach Finisterre will. Momentan bin ich wenig motiviert. Wenigstens tut die Sonne gut. Ein paar Minuten später laufen wir weiter und kommen bei vielen kleinen Lämmern vorbei. Dann geht es noch mal ein Stück aufwärts nach San Roque und endlich sieht man den Atlantik. Jetzt kann es auch nicht mehr weit sein und tatsächlich schimmert bald Muxía durch die Bäume beim Abstieg. Wir kommen am Strand raus und wandern über Holzbohlen zur Hauptstraße. 


Auf dem Stadtplan, der am Straßenrand steht, suchen und finden wir die Xunta-Herberge, zu der wir dann gehen. Sie ist in einem modernen Betonklotz untergebracht. Wir sind die ersten Pilger, haben auf dem ganzen Weg heute auch keinen anderen gesehen. Wir bekommen unsere Muxíanas mit unseren richtigen Namen und ein 8-Bett-Zimmer, das nur ein winziges Fenster hat. Mit der Betonoptik komme ich mir vor wie in einem Bunker. Die Dusche ist jedoch ein Traum, tut richtig gut. Anschließend wie immer Wäsche waschen und Füße hochlegen. M. braucht noch ein bisschen und wie gewohnt kühle ich total aus. Das ist echt ätzend. Um halb 7 machen wir uns auf den Weg durch den Ort. Die Katze liegt in dem verfallenen Haus beim Bela Muxía nicht mehr auf der Matratze, welche weg ist. Es hat schon gut abgekühlt, ist aber auch sehr windig geworden. Die Straße an der Westküste ist fertig. 




Wir erklimmen den Hausberg über den Normalweg und haben eine schöne Aussicht auf Muxía in der Abendsonne. Die ersten Wolken ziehen auf. Wir umrunden die schöne Kirche. Das Meer steht recht hoch, deswegen können wir nicht weit auf die Felsen. Dann essen wir im Windschatten der Kirche die zweite Tafel Ritter Sport (Nugat). Ich habe auch schon richtig Hunger. Es bewölkt sich immer mehr und die untergehende Sonne verschwindet in den Wolken. Wir beschließen, zu gehen und nehmen die Oststraße in den Ort zurück. Im mir bekannten „Don Quijote“ essen wir ein Menu del Dia, schreiben Tagebuch und trinken endlich Frangelico. Währenddessen schauert es draußen, während innen Fußball läuft.                                     
Schritte: 45.720


Samstag, 16. März 2013

Negreira –> Olveiroa



Als ich nachts aufs Klo gehe, schüttet es bereits auf das Dach der Herberge. Um 7:00 klingelt der Wecker, noch immer Regen, wenn auch nicht so stark. Wir packen, frühstücken mit Kakao aus dem Automaten und starten gleich im Poncho. Aus dem Ort geht es bald auf Waldwegen weiter, die teilweise schon recht matschig sind. M. läuft sehr langsam, hat Kopfweh. Im nächsten Ort bekommt er von mir eine Ibu, dann geht das Schlammbambl weiter. Meist gibt es aber Ausweichmöglichkeiten. Trotzdem brauchen wir gut 3h bis Vilaserio. Da sind die Schuhe nach der Dauerbelastung der letzten Wochen aber eh schon durch. Trotzdem brauchen wir eine Pause und gehen in eine Bar. Ich trinke gleich 2 Kakao und esse ein bisschen Brot. M. gönnt sich schon mal ein Bocadillo. Die Ponchos liegen derweil draußen unter der Markise. Eine Katze sitzt im Fenster, beobachtet das schlechte Wetter und putzt sich. Ich habe ja so gar keine Lust mehr, aber was soll’s, da muss ich nun durch. 

Negreira im Regen


Die schlechten Wege liegen aber nun hinter uns, wir laufen auf Straßen und guten Pisten weiter. Ich schaffe es gut, mich in meine Phantasiewelt zu denken und so das Regenwetter und die Kühle zu verdrängen. Die Landschaft bekomme ich nicht so mit, aber man sieht eh nicht weit. Es geht durch hügeliges Farmland. In Santa Mariña machen wir eine erneute Kakao- und Pipi-Pause. Für mich ist das dann Kakao Nr. 4. Dann geht’s weiter, hügelaufwärts, in der Ferne schimmert ein Stausee durch. Es regnet immer noch, Schuhe und Füße sind seit 15km nass. Die Phantasiewelt hat mich wieder. Durch mehrere Orte geht es noch viele Kilometer, bis wir um halb 6 in der Albergue in Olveiroa ankommen. Im Bettenhaus beziehen wir den unteren Schlafraum, im oberen ist als einzige andere die schnelle Pilgerin von gestern, die wohl aus Tschechien kommt. Die Heizkörper hier sind uralt und wärmen den Raum nicht so wirklich. Wir hängen unsere nassen Ponchos auf, die Schuhe kommen an die Heizung. Ich dusche wenigstens warm und hänge die gewaschene Unterwäsche über die Heizung. Bald kommt die Hospitalera und wir checken ein, gucken in die Küche und finden im Ort eine offene Bar. Im Schlafraum essen wir erstmal ein paar Kekse als Vorspeise, organisieren unseren Kram und kochen dann Abendessen. Unsere Hauptmahlzeit besteht mal wieder aus Nudeln, Tomatensoße und Thunfisch, aber es ist trotzdem wieder lecker. Anschließend schnappen wir uns unseren Schreibkram, verschwinden in die Bar, schreiben Tagebuch, checken WiFi und ich gucke mir sogar die Etappe von morgen an. Momentan hat es zu regnen aufgehört, morgen soll es auch nicht mehr so schlimm werden. Hoffen wir es.
Schritte: 48.320

Freitag, 15. März 2013

Santiago de Compostela –> Negreira



Der Wecker klingelt heute erst um 8:00. Draußen ist es schon ungewohnt hell. Wir packen unsere Sachen. Das Kleeblatt von meinen Crocs ist verschwunden. Vielleicht hat es jemand gefunden, dem es nun Glück bringt. Wir laufen zum Parador, wo wir heute frühstücken wollen. Die Sonne scheint, es ist aber noch sehr kalt. Vor dem Garagentor stehen 4 Brasilianerinnen und ein Typ mit Riesenrucksack, kleinem Rucksack und Umhängetasche, der den Frauen all der den Frauen die Credencials, Notizen und Wegbeschreibungen von all seinen Caminos zeigt. Um 9:00, als wir abgeholt werden, zieht er weiter. Weil wir den Weg schon kennen, führen wir die Brasilianerinnen durch eine gut gekleidete Menschenmasse in die Küche. Dort bekommen wir nach einer Weile Kaffee, heiße Milch, Zucker und ein Tablett voller Churros und Brötchen. Das schmeckt zwar, ist aber irgendwie etwas einseitig. Und natürlich extrem fettig. Wir unterhalten uns ein bisschen, dann dürfen M. und ich schon gehen, weil die anderen aufräumen wollen. Wir holen unsere Rucksäcke aus dem Roots & Boots und machen uns auf den Weg. Auf der Straße aus der Stadt heraus sehe ich eine sehr kranke oder schon tote kleine Katze in einem Hauseingang. Oh :(


An einzelne Wegfragmente kann ich mich noch erinnern. Erstmal geht es in ein kleines Tal, dann mehrfach bergauf durch Wälder und Dörfer. 3 Pilger haben wir vor dem Frühstück schon Richtung Westen laufen sehen. Wir sind beide recht müde und sehr satt, so dass wir heute nicht viel reden, ist aber auch nicht schlimm. Irgendwann wechsle ich von Jacke und Pulli auf Hemd, weil es in der Sonne ohne Wind recht warm ist. Eine schnelle Pilgerin überholt uns. Witzig, dass wir hinter Santiago mehr Pilger sehen als davor. Nach dem Alto do Vento geht es eine gute Weile an der Straße und Nebenstraßen bergab. Hier gibt es viele lebendige Katzen. Anschließend machen wir wieder einige Höhenmeter auf dem Anstieg zum Alto do Mar de Ovellas durch den Eukalyptuswald. Die Füße verlangen langsam nach einer Pause, aber wir laufen noch ein paar Kilometer bis Ponte Maceira, wo die schnelle Pilgerin in einem Restaurant in der Sonne sitzt. Wir finden ein sehr sonniges Plätzchen auf der anderen Seite der Brücke auf einer Steinbank an der Kirche St. Blas. Ich creme mich noch mal mit Sonnencreme ein, dann essen wir und genießen die Wärme. Wir beobachten eine kleine Echse an der Kirchenwand, sonst gibt es nicht viel zu sehen. 



Aber es hilft alles nichts, irgendwann müssen wir weiter. Es geht durch den schönen Ort und dann ein Stück am Fluss entlang, bevor wir wieder zu einer Straße kommen, an der wir ein Stück entlang gehen und dann in eine Nebenstraße einbiegen, wo es erst bergauf und dann durch einen Vorort bis Negreira geht. Als wir an der Herberge Lua vorbeigehen, springt uns die Hospitalera hinterher, die unbedingt will, dass wir uns die Herberge anschauen. Wir wollen aber in die Xunta-Herberge und gehen weiter. Im Gadis kaufen wir Essen für heute Abend und die nächsten Tage. Es gibt hier immer noch Kornspitz! Der muss mit.
Mit 2 vollen Tüten gehen wir zur Herberge weiter und stellen fest, dass wir die Ersten hier sind. Es ist 16:15. Auch nicht schlecht. Wahrscheinlich sind die anderen Pilger im Lua. Als wir duschen, kommt noch ein spanischer Pilger, der jedoch schon auf dem Rückweg von Finisterre ist. Die Sonne ist mittlerweile verschwunden und es ist merklich kühler geworden. Im Haus ist es aber warm. Die Hospitalera kommt um kurz vor 6. Wir checken ein und machen dann ein bisschen Siesta. Um halb 8 hole ich meine Wäsche rein, während M. Tagebuch schreibt. Sein 2. Kuli ist dann auch im Eimer, aber er bekommt von der Hospitalera einen neuen geschenkt. Dann kochen wir Nudeln mit viel Gemüse und Käse. Lecker. Weil M. mit dem neuen Kuli auch nicht schreiben kann, tauschen wir die Stifte.
Schritte: 32.030

Donnerstag, 14. März 2013

Pedrouzo –> Santiago de Compostela



Ich schlafe ganz gut und träume, dass mir am Meer die Schuhe auseinander fallen. Bis dahin sollten sie aber schon halten. Mir wird sogar richtig warm nachts. Der Wecker klingelt heute schon um 6:00, wir packen leise, frühstücken eine Kleinigkeit und machen uns im Dunkeln auf den Weg. Es ist neblig und saut ein wenig. M. sieht in einer Bar durchs Fenster im Fernseher ein klatschendes Konklave. Gibt es wohl schon einen neuen Papst?
Im Eukalyptuswald benutze ich noch kurz die Stirnlampe, aber bald ist es hell genug, um ohne zu laufen. Wir kommen gut voran. An einem Hof kräht ein heiserer Hahn und bellt ein heiserer Hund. M. braucht bergauf zum Flughafen etwas länger. Die Holzbohlen am Weg sind rutschig, weil glatt. Den ersten (und einzigen) Pilger überholen wir kurz drauf: ein älterer Spanier, der schon in Melide mit uns in der Herberge war. Der Nebel löst sich langsam auf. Wir kommen durch Lavacolla und dann geht’s hoch zum Monte do Gozo. Eine gute Weile geht es auf der Straße geradeaus, heute erscheint sie mir wieder länger. Aber ich muss auch aufs Klo und freue mich über die Pause, die wir in einer Bar kurz vorm Papstdenkmal einlegen. Hier erfahren wir dann auch von der Wahl des neuen Papstes Franziskus I. und trinken ColaCao und essen trockenes Toastbrot. Leider gibt es hier keinen Stempel, weil der kaputt ist. Um 10:45, es wird knapp, wenn wir um 12Uhr in der Messe sein wollen, geht es weiter, am Papstdenkmal vorbei zum Standort der 2 Pilgerfiguren, die ihren Weg zurück aus der Restauration auf ihren Standplatz gefunden haben. Das freut mich, denn im Oktober stand hier ja nur ein Gerüst. M. erblickt auch gleich die Kathedrale. 


Dann eilen wir in die Stadt, denn bis 12:00 ist es nicht mehr lang. Im Café vom Herbergsgelände am Monte do Gozo gab es auch keinen Stempel für uns, also holen wir uns schnell einen in einer Bar am Weg in Santiago. Wir laufen die bekannten Straßen entlang. Es bewölkt sich, regnet dann sogar, aber zum Poncho rausholen fehlt die Zeit. Um 11:55 kommen wir in der Kathedrale an und setzen uns im Seitenschiff zwischen viele Japaner. Ich bin erstaunt, dass es so leer ist. Die Nonne mit der schönen Stimme singt. Der Botafumeiro hängt heute sogar! Bei Beginn der Messe sagt der Priester, die Japaner hätten eine größere Summe gespendet, um ihn schwingen zu sehen. Juchhu! Alle guten Dinge sind 3, nun werde ich ihn auch endlich live erleben. Ein Gastredner in gelber Jacke spricht die Lesung. Ein älterer japanischer Pilger kommt etwas später, lässt sich am Rand nieder und läuft immer wieder hin und her. Nach der Messe wird der Botafumeiro geschwungen und ich bin happy. Die Miniatur-Japanerin neben mir macht dann noch Fotos von M. und mir in Pilgermontur. 


Anschließend holen wir uns unsere Compostelas im Pilgerbüro und treffen dort auch Finbar wieder, der auch gut angekommen ist. Ein paar Pilger sind dann schon in Santiago unterwegs. Der alte Spanier hat es auch zur Messe geschafft. Wir verabschieden uns von Finbar, der noch nicht weiß, ob er nach Muxía läuft. Dann gehen wir zur Albergue Roots & Boots und checken ein. Erstmal machen wir Mittagspause und gönnen und die erste Tafel Ritter Sport, die M. schon die ganze Zeit als Notverpflegung mit sich trägt. Ich benutze das WiFi. Dann duschen wir beide, gehen kurz im Supermarkt einkaufen und drehen dann diverse Runden durch die Stadt. Natürlich darf auch ein erneuter Besuch der Kathedrale mit Umarmung des Jakobus nicht fehlen. 


 Wir kaufen noch ein paar Postkarten und stellen uns um 18:30 vor die geschlossene Parador-Garage in die Sonne. Meine Füße tun weh. Heute sind wir nur 6 Pilger zum Abendessen, außer uns noch ein Spanier, ein Brasilianer (der Gastredner in der gelben Jacke), ein junger Japaner und Schweizer, der in Le Puy gestartet ist. Es gibt eine Suppe, Paprika, Chorizo, Spiegelei und Pommes und Crêpes. Ich habe statt der Gabel einen Löffel gegriffen und esse damit, weil ich zu faul bin, mir noch eine Gabel zu holen. Das geht auch. Wir unterhalten uns viel mit dem Walliser, der sehr viel Interesse am innerdeutschen Grenzweg zeigt. 


Anschließend laufen wir wieder durch die Straßen. M. kauft sich in einem Café, in dem Tara und ich letztes Jahr auch waren, ein Eis und spendiert mir einen Cookie. Wir machen noch ein paar Fotos von Santiago bei Nacht. Wir schauen kurz in der Albergue vorbei, holen unser Schreibzeug und sagen einer niederbayrischen Zimmergenossin Hallo und sitzen dann in einer nahen Bar und schreiben Tagebuch.                                        Schritte: 31.300


Mittwoch, 13. März 2013

Melide –> Pedrouzo



Der Wecker klingelt wie gewohnt um 7:00, alle schlafen noch. Wir machen uns leise fertig So langsam kommt dann aber doch Leben in die Herberge. Von den 3 Spaniern erfahren wir, dass Barcelona mit 4:0 gewonnen hat. Sie haben das Spiel in einer Bar gesehen und sind übers Küchenfenster mit Ms Hilfe wieder in die Herberge eingestiegen. Draußen liegen heute überraschenderweise ein paar Zentimeter Neuschnee, was die Spanier total fasziniert. Dafür gibt es einen blauen Himmel mit ein paar Wolken. So ist es auch recht kalt, als wir starten, aber wir können schöne Winterfotos machen. 


 
Hügelig geht es durch Dörfer. Wir sind den Weg ja schon mal gelaufen, ich vor 2 Jahren, M. letztes Jahr, aber so genau können wir uns nicht mehr erinnern, wie es ausgeschaut hat. Wir kommen gut voran. Zwischendurch schneit es mal ein bisschen, was aber kein Grund für die Ponchos ist. Die Sonne kommt immer wieder durch. Wir machen einen Stempelstopp bei der Kirche in Boente, dann geht es weiter, relativ parallel zur N-547, wo heute Holz-LKW-Tag ist. Die Wege sind oft asphaltiert oder geschottert und nur selten matschig. Kein Vergleich zu den letzten Tagen. Wir kommen an Ribadiso vorbei und alte Erinnerungen werden wach an die Übernachtungen, die wir hier hatten. Bald darauf sind wir in Arzúa und damit schon fast 15km gelaufen. Die Füße merken es und so machen wir nach dem kurzen Stopp in der Kirche eine ColaCoa-Pause in einer nahen Bar. Dann geht’s weiter. Es nieselt kurz, aber wir holen die Ponchos nicht raus und werden bald wieder mit Sonnenschein belohnt. 


Die Sonne scheint recht ordentlich, aber der Wind ist kühl. Trotzdem ist der Schnee schon wieder geschmolzen. Jetzt geht es ebener weiter, oft auch durch Eukalyptus-Wald, vorbei an Bauernhöfen. Irgendwann haben wir mächtig Hunger und kommen nach einer Weile zur Casa Verde, wo ich bei meinem CF auch Pause gemacht habe. Ich erinnere mich, dass es brechend voll war, weil zuvor ein Bus Tagestouristen rausgeworfen hat. Diesmal sind wir die einzigen Pilger und ich erkenne, dass es hier eigentlich auch recht kultig ist. Alles ist mit Sprüchen und Grüßen von anderen Pilgern voll geschrieben. Endlich gibt es Essen und wir fühlen uns gleich besser. Knapp 10km liegen jedoch noch vor uns. Die Wirtin schenkt uns noch einen selbst gemachten Kaffee-Oruja-Schnaps aus und schenkt uns sogar ein paar Anstecker. Voll nett! Vor allem, weil mein Jakobsmuschel-Anstecker vor ein paar Tagen kaputt gegangen ist, weil ich damit irgendwo hängen geblieben bin.
Dann geht es weiter, erst ein bisschen Wald, dann ein Traktoren-Händler mit halbem Museum, dann auch schon die Stelle, an der ich im Oktober vom Norte her auf den CF gestoßen bin. Ab hier kenne ich mich also aus ;)
Trotzdem dauert es mit all den Kilometern in den Füßen noch ein gutes Stück bis Sta. Irene, wo M. an der Herberge seine Postkarten in den Briefkasten wirft. Die Füße haben langsam keine Lust mehr, ich bin auch schon recht müde, aber bis Pedrouzo halten alle noch durch. Wir checken als 3. und 4. ein. Wie krass ist das denn? Und es werden nicht mehr! Und das in dieser riesigen Herberge. Ein spanisches Paar ist außer uns noch da. Ich dusche und finde die Duschen hier immer noch eklig, aber ich traue mich nicht, das Bad zu benutzen, weil hier überall Handwerker im Haus herumlaufen. Anschließend freuen sich meine Füße, dass ich sie endlich hoch lege. Dann ist es schon halb 7 und wir kaufen im Claudio nebenan noch die fehlenden Zutaten fürs Abendessen. Nudeln haben wir ja noch. Mir ist bitterkalt, die Hände sind schon wieder blau. Das ist doch nicht normal! Anschließend albern wir ein bisschen herum und essen Kekse als Vorspeise. Dann gehen wir in die Küche, spülen Geschirr und Besteck, was wir zum Kochen und Essen brauchen. Die Nudeln gibt es mit Zwiebel, Knoblauch, Paprika, Champignons und Tomatensoße. Der Wein ist der gleiche gute billige wie jedes Jahr. Ich sitze beim Essen mit dem Rücken zu einer Heizung und endlich wird mir auch wieder ein bisschen warm. Dann schreiben wir Tagebuch und ich werde auch schon wieder ein bisschen müde.
Schritte: 48.300

Dienstag, 12. März 2013

San Román –> Melide



Einmal muss ich nachts in den Regen raus, danach schlüpfe ich in den Pulli und schlafe die Nacht schön warm eingemummelt durch. Juchhu! Der Regen trommelt auf das Dach, auch noch, als um 7:00 der Wecker klingelt. Ein bisschen weniger ist der Regen aber schon geworden und als wir um kurz nach 8 aufbrechen, nieselt es nur noch. Wir kommen gut voran. Erst ein Stück den Weg weiter, dann matschig in den Wald, wo wir mal in die Böschung ausweichen müssen, was auch nicht so dolle ist. Der Waldweg führt bergauf und wird zu einer guten Piste. Schließlich hört der Regen ganz auf. Es geht bergab durch eine Senke in ein kleines Dorf, wo wir auf der Straße weiter laufen und mir ganz warm wird, weil es wieder bergauf geht. Bald fängt es aber wieder an zu regnen und wird wieder kühler. Der Regen wird doller und trotz gutem Untergrund sind meine Schuhe bald durch. Es war einfach zu viel Wasser in den letzten Tagen. Es hilft aber alles nichts, wir müssen ja weiter. Als der Regen zu stark wird, stellen wir uns kurz in einem Bushäuschen unter. Jetzt hagelt es sogar. Ich zippe meine Hosenbeine ab und wringe sie aus. Nach ein paar Minuten nieselt es nur noch und wir gehen weiter. Der Regen wird wieder stärker und dann sind die Schuhe komplett durch. Wir sind gerade mal 8km gelaufen. Es geht noch mal von der Straße recht eklig runter und als wir wieder auf die Straße stoßen, beschließen wir, heute auf Straßen zu bleiben und uns den Weg nach Melide zu suchen. Der Regen wird auch erstmal nicht weniger. Wir laufen auf der Straße ein paar Zacken durch mehrere kleine Ortschaften. Ich habe das dringende Bedürfnis, meine Socken auszuwringen. An As Seixas mit dem Hinweis zur Herberge laufen wir vorbei. Hier würde der Camino über diverse Feldwege weiterführen, aber viele werden überflutet sein. Nach dem nächsten Ort kommt uns ein Auto entgegen, wendet und der Fahrer hält neben uns und erklärt uns den Weiterweg nach Melide auf Straßen. Voll nett!


So kommen wir nach Hospital das Seixas und laufen bergauf in die Wolke hinein. Der Regen hört auf, dafür isses nun neblig. Nach dem Höhenzug geht es wieder bergab und wird ein bisschen windiger. Es nieselt ab und zu. Wir kommen aus der Wolke raus und haben bald Sicht auf Melide. Im nächsten Dorf steht ein zu einer Seite offenes Häuschen, in dem Bänke stehen. Wir schlüpfen aus den Ponchos. Ich ziehe die Schuhe aus und wringe nun wirklich meine Socken aus und sitze mit hochgekrempelter Hose und nackten Füßen bei der Mittagspause. Natürlich wird das irgendwann kalt, aber in nassen Socken wäre es viel schlimmer geworden. In die schlüpfe ich am Ende aber wieder. Trockene Socken wären bei den nassen Schuhen eh gleich wieder durch. Die ersten Schritte sind verdammt widerlich, aber irgendwann geht’s. Wenigstens quatscht es nicht mehr. Der Himmel lockert ein bisschen auf und der Regen hört komplett auf. Es weht ein kalter Wind, der die Sachen aber wenigstens trocknet. Zwischendurch war ich schon nass bis zum Schritt. Wir folgen der Straße abwärts in einem Bogen nach rechts und biegen dann in einer Senke auf eine nagelneue Straße nach links ab. Das Wasser fließt, wo es kann und alle Bäche, die wir sehen, sind komplett überflutet. Dafür blüht es hier schön. Ein paar Dörfer weiter gibt es eine Bar, wo wir ColaCao trinken und aufs Klo gehen. Im Fernsehen läuft der Beginn des Konklaves. Heute gibt es ja nur einen Wahlgang. Mal schauen, ob wir bis Donnerstag einen neuen Papst haben. Ich nehme noch ein paar kostenlose Zeitungen für die nassen Schuhe mit.

unser Pausenhäuschen


Beim Weitergehen tragen wir die Ponchos erstmal unterm Arm. Die Besiedlung wird dichter. Wir sehen zutrauliche Lämmer, Gewächshäuser und Hunde, die erst wie wild bellen und als wir zu nahe kommen, durch Hecken auf ein Grundstück verschwinden. Langsam nieselt es wieder und wir ziehen wieder die Ponchos an. Dann geht es auch schon nach Melide rein. Wir kommen durchs Zentrum zur Xunta-Albergue, wo wir um 16:00 als 4. und 5. einchecken. Wir belegen zwei Betten unten nebeneinander. Ich kümmere mich um die Schuhe, dann genieße ich die heiße Dusche. Unterm Händetrockner föhne ich mir die Haare an, dann legen wir noch mal die Füße hoch. Anschließend gehen wir in die Stadt. M. zeigt mir das älteste Wegkreuz Galiciens, wir gehen in den Supermarkt und in eine Kapelle. Um kurz vor 18:00 werden wir heraus gebeten, weil sie schließen wollen. Ich zünde noch eine Kerze für uns beide an. In der Herberge füllen wir die Waschmaschine und ich esse Babybrei und leckere Schokolade mit M. Bei der Kontrolle der Waschmaschine steht der halbe Waschraum unter Wasser. Die Hospitalera muss wischen und hängt nach Ende des Waschgangs einen „Defecto“-Zettel an das Gerät. Wir schreiben derweil Tagebuch.
Nachdem der Trockner dann fertig ist, gehen wir in einem nahe gelegenen Café Menu del Peregrino essen. Es gibt Nudelsuppe, Hähnchen mit Pommes, Orangen, Brot und Wein. Ich nutze das WiFi und wir schauen die erste Halbzeit des spannenden Champions-League-Spiels FC Barcelona gegen AC Mailand. Zur Halbzeit führt Barcelona mit 2:0 und hat somit den Hinspielstand ausgeglichen. Dann müssen wir leider in die Herberge zurück. 9 Pilger sind wir heute hier. Ich gehe gleich ins Bett, M. schreibt noch etwas.            Schritte: 40.720

Montag, 11. März 2013

Lugo –> San Román



Um 6:50 geht das automatische Licht in der Herberge an. Welch unangenehme Art, geweckt zu werden. Nach dem morgendlichen Fertigmachen, Packen und Frühstücken verlassen wir die Herberge um 8:00. Es regnet gerade nicht, fängt aber an, als wir den Altstadtring verlassen. Also wieder rein in den Poncho. Über den Miño kommen wir nicht hinüber, weil an der Brücke gerade groß gebaut wird. Also bleiben wir auf der Stadtseite und überqueren den überschwemmten Fluss über die nächste Brücke. Wir sehen auch gleich einen Poller, wissen aber nicht, ob sich der Weg hier schon in seine Varianten (traditionell / Zubringer zum Norte) geteilt hat, laufen aber erstmal weiter und sind bald sicher, dass wir richtig sind. Es fängt doller an zu regnen und M. schlüpft auch in seinen Poncho. Lugo haben wir derweil verlassen und es geht auf ruhigen Straßen aufs Land. Regen und Trockenheit wechseln sich ab, also immer wieder Kapuze rauf und runter. Irgendwann zweigt der Camino von der Straße ab und führt meist recht matschig über Hohlwege weiter. Finbar überholt uns. Wir kommen durch eine Häusergruppe, dann geht es auf Trittsteinen weiter bergab. Mittendrin liegt ein großer Baum mitten über dem Weg, den wir überklettern müssen. Glücklicherweise regnet es zu diesem Zeitpunkt gerade nicht. Schließlich stoßen wir wieder auf die gleiche Landstraße wie vorher. Der Camino zweigt später noch einmal weg, um in einem Bogen über einen matschigen Hohlweg 300m später wieder auf die Straße zu stoßen, auf der ich gleich weiter gelaufen bin. 


Um halb eins stehen wir in San Román vor der Bar, die aber bis 13Uhr geschlossen hat. Wir setzen uns unter ein Gartenzelt, das glücklicherweise zu drei Seiten verschlossen ist und so einen guten Wetterschutz bietet. Eigentlich wollen wir ja heute bis As Seixas laufen, aber meine Füße sind jetzt schon nass. Wir machen gleich Mittagspause und dann ist mir richtig kalt. Finbar bleibt kurz, wir hatten ihn vorhin in einem Bushäuschen sitzend überholt, meint, er wäre klatschnass und würde hier bleiben. Dann verschwindet er. Ich möchte auch hier bleiben, weil der Regen immer stärker wird und immer länger dauert und es noch 14km bis As Seixas sind. M. lässt sich überreden. Wir gehen zur Albergue, wo Hospitalero Tino, der gleiche von gestern, gerade gekommen ist und uns das kleine Häuschen zeigt. Hier ist es ganz urig mit schiefen Dachbalken. Die Heizungen sind an, aber es wird kühl bleiben. Klo und Dusche gibt es nur über einen Außenzugang. Dafür ist die Küche gut ausgestattet. Wir beschließen, wirklich hier zu bleiben. Wo Finbar ist, wissen wir nicht. Vielleicht in der privaten Albergue schräg gegenüber, die aber laut Tino zu ist. Wir richten uns ein, vertreiben uns die Zeit, hängen die nasse Wäsche auf. Tino fährt in die Bar zurück. Unsere Entscheidung war wohl richtig, denn die Regenpausen werden immer weniger und immer kürzer. Um 15:00 gehen wir relativ trocken zur Bar, trinken einen heißen Kakao und essen Puddingtaschen. Es gibt sogar WiFi, was ich ausgiebig nutze, während M. Tagebuch schreibt. Leider ist es hier arschkalt, weil ein Gast Kettenraucher ist und so ständig die Tür offen ist, weil der wohl keine Lust hat, sich in den Regen zu stellen. Wir kaufen noch Essen für heute Abend und morgen und machen uns dann auf den Rückweg. Ich hänge meinen Poncho gleich ins Bad. Wir quatschen noch ein bisschen und irgendwann gehe ich duschen und Wäsche waschen. Danach schlüpfe ich in den Schlafsack und halte Siesta bis kurz vor 8. Wir kochen das Abendessen, während der Regen unaufhörlich aufs Dach trommelt. Es gibt mal wieder Nudeln mit Tomatensoße, Thunfisch, Zwiebel und Knoblauch. Dazu Toastbrot und Wein. Wieder lecker. Anschließend schreibe ich Tagebuch, während M. seine Stiefel pflegt.                   
Schritte: 28.500

Sonntag, 10. März 2013

Castroverde –> Lugo



Die anderen berichten von einer stürmischen und regnerischen Nacht. Morgens regnet es dann auch gleich mal. Juchhu. Das sind ja tolle Aussichten. Wir machen Frühstück im Flur, weil das der einzige Raum ist, in dem das Licht brennt. Im Essraum isses noch zu dunkel. Wir verlassen die Herberge zum Hinterausgang gleich in unsere Ponchos gekleidet. Jetzt nieselt es nur noch. Finbar braucht einen Kaffee und verschwindet in der ersten Bar. Dann hört der Regen tatsächlich auf. M. und ich beschließen, erstmal auf der Landstraße zu bleiben, weil wir überflutete Wege befürchten. So viel Verkehr ist auch erstmal nicht und wir kommen gut voran. Irgendwann fängt es natürlich wieder an zu regnen, aber der Wind ist weg. Wenigstens etwas. Es hört auch immer wieder auf. Wir wollen im nächsten Dorf in die nächste Bar und dort auch ein Sonntagsstück Süßes essen. Ein Dorf kommt, aber das hat keine Bar. Nur viele bellende Hunde. 3km später das gleiche Problem. 

 


Bis zur Autobahn vor Lugo gehen wir noch an der Straße weiter, dann wechseln wir wieder auf den Camino, der über Pisten und kleine Straße durch kleine Vororte über 2 Autobahnen nach Lugo führt. Die Füße haben auch genug. Es geht noch mal auf und ab, über ein Flüsschen, dann sind wir in der Stadt. Natürlich fängt es auch noch mal an zu regnen. Durch schmale Straßen mit hohen Häusern kommen wir zur Stadtmauer, die die Altstadt komplett umrundet. Kurz darauf sind wir in der Herberge und bekommen von Hospitalero Tino alles gezeigt. Finbar ist auch schon da und berichtet, er sei dem Jakobsweg gefolgt, was kein Problem gewesen sei. M. und ich holen Brötchen und Süßes von der Bäckerei um die Ecke und machen Mittagspause. 


Danach geht’s gleich auf in die Stadt, die recht menschenleer ist. Die Kathedrale hat einen merkwürdigen Aufbau mit einem fehlenden (abgesperrten) Mittelstück. Davor ist ein kleiner Altar, quer dahinter noch einer, der sich zur Mitte hin spiegelt. Anschließend gehen wir auf die Stadtmauer und drehen eine Runde. Nach innen sieht man meist in Hinterhöfe und Terrassen. Leider sind die meisten Gebäude nicht annähernd so antik wie die Stadtmauer. Auch außerhalb stehen viele hässliche Gebäude. Zwischendrin gibt es glücklicherweise immer wieder ein bisschen grün. Die Sonne verschwindet und es fängt langsam an zu regnen. Irgendwann bin ich klatschnass und will zurück in die Herberge. Dort gehe ich erstmal heiß duschen, Haare waschen, Wäsche waschen, Füße hochlegen und die nächsten Etappen lesen. Die werden wieder lang, aber ebener. Jetzt muss dann auch mal das Wetter mitspielen. Das wäre toll.



Finbar und M. gehen in die Messe, ich in eine Bar, wo ich WiFi habe, ein Glas Wein trinke, einen Cookie esse und noch 5 Postkarten schreibe. Dann sind die anderen zwei wieder da und wir gehen in eine Taverne, wo wir zu Abend essen wollen. Ein Menu gibt es hier nicht, also bestellen wir à la carte bei einem Argentinier, der die Welt bereist und nun eben in Galicien ist. Die Vorspeise von Finbar kommt, mein Merluza auch, aber die Paella haben sie vergessen. Es ist schon 21:30, als sie endlich kommt. Die Männer beeilen sich beim Essen, wir zahlen schnell, bekommen noch einen Schnaps aufs Haus und rennen dann zurück in die Herberge. Ich bin als Erste da. Tino wartet noch auf die anderen. Ich unterhalte mich derweil mit einem neuen Pilger, Stefan aus Belgien, der zu Fuß von Brüssel nach Santiago gelaufen ist und auf der Rückreise nun noch ein bisschen Zeit hat, sich Spanien anzugucken. Cooler Typ. Die anderen zwei kommen und unterhalten sich dann auch. Finbar hat noch irgendwo Bier organisiert. Ich gehe schon mal ins Bett.                                                
Schritte: 31.500 (bis Lugo)

Samstag, 9. März 2013

Fonsagrada / Padrón –> Castroverde



Ich muss nachts einmal raus, habe gar nicht mitbekommen, wie die anderen ins Bett sind. Dafür wache ich danach immer wieder auf, weil José so unruhig schläft und auch viel wach ist. Um 7:00 klingelt der Wecker und José ist weg, nach Hause gefahren, weil er Probleme mit seiner Frau hat. Er war gestern auch ungewöhnlich bedrückt. Wir machen uns fertig und frühstücken, dann geht es erstmal ohne Regen ein Stück auf der Straße. Dann auf einen Waldweg, der gut zu gehen ist. Bei Montouto geht es bergauf und oben an einem Pilgerhospital vorbei, das teilweise schön restauriert ist. Windig geht es weiter bis Paradavella, wo wir auf die Straße wechseln und die nächsten 5km dort bleiben, weil das Buch fast nur zugewucherte Wege verspricht und wir Nässe befürchten und ja schnell vorankommen wollen. Ich bekomme schon Hunger, obwohl es nicht mal 12 ist und freue mich schon auf die Bar in A Lastra. Die gibt es aber wohl nicht mehr, zumindest kommen wir an keiner vorbei. Es wird langsam windiger, aber noch ohne Regen. Von der Straße weg geht es wieder aufwärts ein gutes Stück durch den Wald und schließlich wieder an die Straße. 


Wir kommen nach Fontaneira und hier hat die Bar offen. Innen ist es gemütlich und warm. Heute gibt es zum Mittagessen Bocadillo mit Käse, Cola light und WiFi. Finbar kommt kurz nach uns an. Eine gute halbe Stunde verweilen wir, dann geht’s wieder raus und als wir ein paar Minuten unterwegs sind, wird es wieder Zeit für die Ponchos. Der Regen wird stark, der Wind auch, wir haben es ja schon fast vermutet. Hügelig geht es vorwiegend durch Buschland ca. eine Stunde nach Cadavó, was wir schnell durchqueren, um danach noch einmal aufzusteigen. Mir wird wieder sehr warm. Oben treffen wir auf Finbar, der die Straße genommen hat und wir gehen zusammen weiter. Es geht noch eine Weile im Wald auf und ab, bis wir in Vilabade, einem Vorort von Castroverde, ankommen. Hier gibt es eine Kirche, deren Bögen von Planen bedeckt sind. Finbar und ich unterhalten uns über die Gesundheitssysteme in Irland und Deutschland und deren Probleme und kommen so gut nach Castroverde und in die moderne Herberge, die ja erst im September eröffnet hat. Der Hospitalero kommt auch gleich und wir checken in das sehr moderne Passivhaus ein. Es ist zwar geheizt, aber die Heizungen gehen zwischendurch immer wieder aus. Ich dusche, was nicht so einfach ist, weil das Licht alle 10 Sekunden ausgeht. Blöde Bewegungsmelder. Wir behängen den Trockenraum, weil da Wind ist und diverse Heizungen. Anschließend mache ich eine Stunde Siesta und höre mp3. Dann fange ich an, Tagebuch zu schreiben. Um 8 machen wir uns auf den Weg zu einem Restaurant. Es nieselt, ich habe Hunger und mir ist kalt. Wir müssen den halben Ort durchqueren und landen in einem Restaurant, wo gerade noch eine Fiesta im vollen Gange ist. Zum ersten Gang gibt es Pilze und Weißwein, dann Steak mit Pommes und Rotwein, zum Dessert Tiramisu. Wir unterhalten uns über Politik, die Unterschiede in Irland und Deutschland, was sehr interessant ist. Mir wird langsam warm. Auf dem Heimweg machen wir einen kurzen Stopp in der Tanke, aber da gibt es kein Bier. In der Herberge schreiben wir zu Ende.                                                                    
Schritte: 46.500

Freitag, 8. März 2013

Grandas de Salime –> Fonsagrada / Padrón



Wecken um 7:00, draußen ist es dunkel, aber trocken. Wie immer machen wir uns fertig, frühstücken, packen den Rest und starten. Es ist nicht so viel los und wir kommen gut voran. Wir kennen die Strecke ja auch schon. Wir bleiben auf der Straße und sind bald in Castro. Vorher nieselt es aber schon andauernd und ich schlüpfe in den Poncho. Natürlich hört der Regen prompt auf. Die Jugendherberge in Castro ist beruhigenderweise immer noch geschlossen. Wir gehen auf recht gutem Feld- und Waldweg parallel zur Straße weiter, an einer Kapelle vorbei. Dann geht es eine Weile auf der Straße und weil es windiger wird, ziehe ich den Poncho wieder aus und verstaue ihn. Im kleinen Ort Peñafonte geht es von der Straße weg weiter bergauf. Dann geht es durch gefälltes Land und wird immer windiger. Puh! Wir machen einen kurzen Pipi-Stopp und schrauben uns weiter den Windrädern entgegen. Wir queren noch einmal die Straße und steigen auf schmalem, aber gutem Pfad bis zu den Windrädern und steigen dann auf gutem Weg zum Alto del Acebo ab. Mittlerweile haben wir die Grenze zu Galicien überschritten und Fonsagrada liegt bereits auf einer Anhöhe vor uns in Sichtweite. Der Wind weht stark. 




Ich überlege schon die ganze Zeit, was ich denn heute Abend für uns alle kochen kann, denn heute bin ich mal dran. Es geht über einen Hügel und dann parallel zur Straße bergab weiter. Der Fußweg führt ein kleines Stück weg von der Straße durch einen Wald. Hier gibt es schon Hinweisschilder auf ein nahes Restaurant, in welches wir einkehren wollen. Leider hat es wegen Umbau geschlossen. Wir machen unterm Vordach trotzdem Pause, weil es hier wind- und wettergeschützt ist. Es fängt auch gerade an zu regnen. Langsam wird es aber kalt, also dauert die Pause nicht so lang. Im Poncho stürzen wir uns mal wieder in den Regen und den Sturm. Es ist eiskalt. Wir nehmen erstmal eine Weile die Straße, weil wir nicht die gleiche Erfahrung machen wollen wie gestern. Irgendwann lassen der Wind und der Regen nach und wir nehmen wieder den normalen Camino, ohne Probleme. Fonsagrada kommt immer näher und wir erreichen es im Nieselregen nach erneutem Anstieg. Es ist halb vier. M. geht kurz in die Kirche. Auf Nachfrage finden wir den Supermarkt und vertreiben uns die Zeit bis 16:00 im nahen Park. Im Coviran treffen wir Finbar und José, die schon länger hier sind und kurz vor dem Ort in einen kräftigen Hagelschauer gekommen sein müssen. Wir kaufen das Abendessen, das doch wieder Nudeln mit Soße sein wird, weil die anderen nicht wollen, dass ich mich großartig ins Kochen stürzen muss. Dann machen wir uns auf den Abstieg nach Padrón, wo die Albergue ist. Der Hospitalero kommt nach unserem Anruf schnell und checkt uns nach und nach sehr langsam ein. Danach geht’s duschen, Haare waschen und Füße hochlegen. José gibt mir Franzbranntwein für meine Hüfte, die mal wieder zickt. Anschließend will ich Abendessen machen, werde aber von José überrumpelt, der mir das Ruder und den Kochlöffel aus der Hand nimmt. Auch okay, wenn er meint. Dann helfe ich eben beim Salat, den es heute zu den Nudeln mit Tomatensoße und Thunfisch gibt. Sehr lecker. Wir besprechen die morgige Etappe. Es soll ja ein langer Tag werden und die Wettervorhersage ist für die nächsten Tage gleich bleibend schlecht. Vorm Abendessen schien aber die Sonne vom blauen Himmel.
Schritte: 42.900

Donnerstag, 7. März 2013

Berducedo –> Grandas de Salime



Um 7:00 klingelt der Wecker, draußen weht hörbar der Wind. Wir ziehen uns an, befreien die Heizkörper von den nunmehr trockenen Kleidungsstücken und frühstücken den restlichen Reis von gestern. Um 8:15 starten wir. Draußen ist es windig, aber trocken. Wir durchqueren den Ort, dann geht es bergauf und wird noch windiger. Im Wald wird es aber besser und dann geht es auf der Straße nach La Mesa. Ich muss aufs Klo und gehe in die offene Herberge, die unordentlicher ist als die in Berducedo. Die Sonne scheint, als wir weiter bergauf auf der der Straße vorbei an vielen jungen Kühen laufen. Oben drehen sich die Windräder. Ein bisschen später verlassen wir die Straße, laufen nach Buspol, einem größeren Bauernhof. Hier gibt es auch wieder eine kleine Kapelle. 



Dann geht es lange abwärts, erst etwas steiler und steiniger. An der nächsten Wegkreuzung treffen wir Finbar und José, die eine zweite Frühstückspause machen. Wir überholen und es wird weniger steil und steinig. Bald windet sich der Weg und wir können einen ersten Blick auf den Stausee erhaschen. Den dazugehörigen Ort Grandas de Salime haben wir schon von weiter oben gesehen. Bald ziehe ich die Jacke aus und die Bluse an. Dann bedeckt es sich, als wir weiter absteigen und es tröpfelt, so dass wir wieder die Ponchos rausholen und reinschlüpfen. Dann regnet es auch schon richtig, während sich der Weg noch auf gleicher Höhe windet, um anschließend in Serpentinen auf schmalerem Pfad bergab zu führen. Einmal gleite ich im nassen Laub aus, einmal müssen wir unter einem Baumstamm durchtauchen, der über dem Weg hängt. Ein Tageswanderer mit Schirm überholt uns. Irgendwann haben wir die Straße erreicht, auf der es zur Staumauer geht. Vorher gibt es aber noch einen kleinen Abstecher durch einen Felsen auf eine Aussichtsplattform. Anscheinend gab es hier auch mal einen Minenabbau, zumindest gibt es viele Ruinen auf der anderen Talseite. Als wir den Staudamm überqueren, ist es schon wieder trocken. Das ist gut, weil es danach wieder bergauf geht und sonst würde es sehr heiß unterm Poncho werden. Der Camino folgt der Straße mehrere Kilometer bergauf. Wir kommen an einem geschlossenen Restaurant vorbei. Es gibt ein paar Barrancos und geht stetig aufwärts. Links von uns schimmert der Stausee türkis. 



Wir sehen Finbar und José, die in das geschlossene Restaurant gehen wollen und dort wohl wieder Pause machen. Dann verlässt die Straße das Tal ins Landesinnere und der Camino auch bald die Straße. Im Wald geht es erst auf Serpentinen aufwärts, dann recht eben, an Bienenstöcken vorbei, bald nach Grandas de Salime. Im Ortszentrum machen wir in einem Park Mittagspause. Finbar und José gehen vorbei in eine Bar. Wir wollen ja noch weiter und starten, als es wieder zu regnen anfängt, im Poncho. Bergauf wird es immer windiger. Der Regen hört auf, aber oben erwarten uns regelrechte Sturmböen. Das ist erstmal total geil. Aber dann führt der Camino von der Straße weg, der Regen beginnt wieder bei gleich bleibendem Wind. M. wechselt aus Angst um den Poncho in Regenjacke und später noch Regenhülle. Wir laufen auf überschwemmtem Feldweg, Wiese und Wald. Schließlich muss ich ins Wasser treten, weil ich keinen anderen Weg mehr sehe. Irgendwann sind beide Füße nass. Scheißdreck. Es schüttet wie aus Eimern. Es kann ja aber nicht mehr weit sein bis Castro und dort stehen wir bald vor der Herberge. Dort hängt ein Schild an der Tür: Cerrado. Bis 12. März. Na danke!
M. zieht sich im Kirchenvorbau wieder den Poncho über und weil es im Dorf nichts weiter gibt, wollen wir die 5km auf der Landstraße wieder zurück laufen. Wind und Regen nehmen langsam ab. Beide Füße quatschen. Ich halte bei vorbeifahrenden Autos vergeblich den Daumen raus. In einer Bar 2km zurück frage ich nach Habitaciones, aber hier gibt es keine. In Castro hätte es eine Casa Rural mit 40€ für die Übernachtung ohne Abendessen. Nee, 2km haben wir schon, da schaffen wir auch noch 3km mehr zurück nach Grandas. Erstaunlicherweise kommen wir gut voran und sind um 18:00 in der Albergue in Grandas de Salime. Finbar und José sind die ganze Zeit schon hier, in der Bar heute Nachmittag habe ihnen jemand gesagt, dass die Herberge in Castro noch geschlossen sei. Da waren wir aber schon weg. 



Ich ziehe schnell die nassen Sachen aus und zusammen gehen wir noch im nahen Supermarkt Zutaten fürs Abendessen kaufen. Ich würde gern kochen, habe aber erstmal Wichtigeres vor, also übernimmt Finbar wieder. Ich dusche, wasche Wäsche, dann ist das Essen auch schon fertig. Es gibt Nudeln mit Tomaten-Thunfisch-Soße, dazu gebratene Zucchini, Wein, Brot und zum Nachtisch geniale karamellisierte Bananen mit Schokolade. Yummie! Ich wasche ab, was ein bisschen blöd ist, weil es heißes Wasser nur in der Dusche und kaum Spüli gibt. Wir haben alle Spaß. Finbar und José gehen dann noch in eine Bar, während wir unsere Tagebücher schreiben.       
Schritte: 49.860

Mittwoch, 6. März 2013

Campiello –> Berducedo (Hospitales-Route)



Ms Handy klingelt um 7:15, ich habe heute sehr gut geschlafen. Wir packen die Rucksäcke, die Klamotten sind trocken geworden. M. braucht ein bisschen länger, so dass wir erst kurz nach 8 im Restaurant sind. Herminia braucht aber noch länger, um frittiertes Weißbrot und Marmelade und unsere Getränke auf den Tisch zu stellen. Das Brot ist fettig, aber total lecker. Wir sind die letzten, die gehen, es wird wohl so gegen 9Uhr sein. Eigentlich viel zu spät.
Anfangs geht es auf der Straße, dann kommen wieder einige matschige Feldwege, es ist aber nicht so schlimm wie gestern. In Borres geht es bergauf, dahinter verzweigt sich der Weg. Ich laufe im Hemd. Wir biegen auf die Hospitales-Route, kommen nach weiteren Feld- und Waldwegen nach La Montera, wo es eine hübsche Kapelle gibt und eine schöne Aussicht, auch noch mal aufs Meer. Danach wird es ernst: es geht auf einer guten Piste stetig bergauf. Die Sonne scheint, ein Bauer in Borres meinte schon, es wäre ein schöner Tag zum Wandern. Ich fühle mich frei, phantasiere wieder ein bisschen. 




Hoch und immer höher geht es bald auf einen Weg mit einem Abflusskanal. Bald wird es ein bisschen windiger. Mir kommt ein Mann mit zwei Hunden entgegen, der mir sagt, dass oben Schnee liegt und mich nach der Uhrzeit fragt. Schließlich hat es sich leider ganz zugezogen und wird immer windiger. An der ersten Pilgerhospital-Ruine rede ich noch mal mit M., gehe aber schnell weiter bergauf, weil es langsam kalt wird. Der Wind nimmt weiter zu und bald tröpfelt es. Ich habe den Poncho schon ganz oben eingepackt und wechsle unter einer Baumgruppe Schutz suchend bald in die Jacke und den Poncho. Ich gehe M. entgegen, der Probleme hat mit seinem und erzähle ihm, dass ich den Poncho allein anziehen kann, wenn ich den Rucksack absetze, den Poncho überstülpe und den Rucksack unterm Poncho wieder aufsetze. Das klappt auch bei ihm. Langsam erreichen wir die Stellen, wo noch Schnee liegt. Ab und an kann man gut durch laufen, die anderen Male geht es auch gut außen herum. Ansonsten ist der Weg oft feucht, aber nie matschig. Meine Hose und die Schuhe werden wieder sauberer, aber auch feucht. Das zweite Pilgerhospital müssen wir großräumig umgehen, weil in der Senke, wo der Weg verläuft, eine große Schneewehe liegt. Aber auch hier gibt es keine Probleme. Es geht mal auf-, mal abwärts, hier ist der Weg recht alpin, gerade mit dem Schnee. Die Baumgrenze haben wir auch hinter uns gelassen. Teilweise laufen wir auf Moos und Latschengestrüpp. 



Der Regen hört immer mal wieder auf. Bald sehen wir zwei Kühe und zwei Pferde am Weg, denen ich Selbstgedichtetes vorsinge, damit sie sich nicht erschrecken. Wir erreichen den Alto de Santa Marta und queren eine unbefahrene Passstraße. Anschließend geht es noch mal bergauf und eine Weile recht eben. Ein paar Bäume halten hier hartnäckig durch. Der Weg schlängelt sich noch bis zum nächsten Pass, der Puerta de Palo, wo es einen Wetterunterstand gibt, an dem wir Pause machen. Mittlerweile ist es auch schon halb drei, aber wegen des reichhaltigen Frühstücks haben wir kaum Hunger. Trotzdem schmeckt die erste Scheibe Vollkorntoastbrot mit Gurke einfach nur göttlich. Hier ist ein bisschen mehr Verkehr. Bald gehen wir weiter, denn wir haben ja auch noch einiges vor uns. Erstmal kommt ein steiler, steiniger Abstieg, auf dem es prompt wieder anfängt zu regnen. Also werfen wir uns wieder in die Ponchos. Bald wird es weniger steil und besser begehbar. Ich bin mit meinen Schuhen hochzufrieden. Das hat heute hervorragend geklappt. Natürlich sind die Füße mittlerweile feucht, aber die Socken scheuern nicht. Prima! Kurz hört der Regen auf, um dann im fast verlassenen Örtchen Montefurado mit Santiago-Kapelle wieder anzufangen. Hier ist der Weg wieder matschiger und führt bald über eine Kuhweide wieder bergauf. Er schlängelt sich durch den Wald und nach einem Tor geht es wieder bergab. Jetzt ist es kurzzeitig recht sonnig und knallig warm. Aber nicht lang, dann wird es wieder windig. Aprilwetter! Der Weg führt nun parallel zu einer Straße und langsam müsste doch mal wieder Zivilisation kommen? Doch wir sehen nur bewaldete Täler und dicke Wolken. Hinter einer Biegung zeigen sich dann die Dächer eines Friedhofs und bald der dazugehörige Ort Lago, den wir durchqueren. Von der Straße geht es bald wieder weg auf einen erneut ansteigenden Feldweg, der irgendwann zum Waldweg wird und schließlich auf einer unbefahrenen Straße endet, auf der wir eine Zeit lang weitergehen. Dann noch mal Wald- und Feldweg, ein bisschen matschig. Ich bin recht müde und als es dann auch noch in Sichtweite von Berducedo erneut anfängt zu regnen, langt es allmählich. 



Wir sehen Finbar und José, die sich in der Albergue municipale, die gleich am Ortseingang liegt, unterstellen. Beide sind schon eine halbe Stunde im Ort und wollen hier bleiben. Am Dach der Herberge wird gearbeitet. Wir öffnen die Tür und schauen uns um. Es ist warm, es gibt Geschirr und wir beschließen, zu bleiben. Wir stellen die Rucksäcke ab und Finbar sagt, er möchte heute für uns kochen, also gehen wir gleich in der nahen Bar / Tienda einkaufen. Als wir zurückkommen, ist die Hospitalera auch schon da. Wir bezahlen, Finbar beginnt zu kochen, ich gehe erstmal duschen. Dann helfe ich ein bisschen bei den Vorbereitungen. Es gibt Tomate-Paprika-Ziegenkäse als Vorspeise und Reis mit Hühnchen als Hauptgericht. Dazu guten Wein, hinterher Schokolade. José erzählt ein bisschen von sich, er war letztes Jahr nach einer Gasexplosion 2einhalb Monate im Krankenhaus und seine Muskeln haben stark abgebaut. Es ist sehr warm hier drinnen, heute Nacht werde ich auch nicht frieren. Ich bin auch schon müde.                      
Schritte: 44.800