Mittwoch, 21. August 2013

Probewandern im Ötztal

Nachdem unser großer Wanderurlaub immer näher rückt, haben A. und ich uns gedacht, wir sollten doch auch mal eine Mehrtagestour unternehmen. A. hat zwar schon viele Urlaube mit ihrem Rucksack gemacht, aber eben noch nie eine Wanderung über längere Zeit, bei der sie ihr Gepäck immer dabei hat. Wir wollten nun mal schauen, ob und wie das so klappt bei ihr. Ich habe mich an eine Tour erinnert, die ich schon 2007 gemacht habe und die mir sehr gefallen hat. Es ging also wieder ins schöne Ötztal.

1. Tag: Anfahrt nach Umhausen und Aufstieg auf die Erlanger Hütte

Um 5:00 in der Früh hole ich A. ab. Die Fahrt ins Ötztal ist problemlos, wir sind schon um 9:30 in Umhausen. Ich muss ein bisschen suchen, bis ich den Parkplatz im Wald auf der anderen Flussseite wiederfinde. Als erstes machen wir Frühstück. Es ist bedeckt und die Wolken hängen recht tief. Die letzten Tage hatte es schlechtes Wetter mit Regen, aber laut Vorhersage soll es ab heute besser werden. Nun ja, immerhin, es regnet nicht. Zum Start geht es erstmal eine ganze Weile auf einem Fahrweg bergauf. Immer höher kommen wir und Umhausen wird immer kleiner.


A. hat keine Probleme, im Gegenteil, ich muss sie sogar ein bisschen zügeln. Das Wetter allerdings macht ein bisschen Sorgen. Von den versprochenen Wolkenlücken ist nichts zu sehen. Im Frühjahr gab es im Leierstal eine große Lawine, die einen Teil des Fahrwegs mitgerissen hat, so dass man in Richtung Leierstal-Alm nun über einen steilen und interessant angelegten Waldpfad kommt. Wir kommen aus dem Wald auf eine Wiese und beschließen, Brotzeit zu machen, wer weiß, wie lange das Wetter noch hält. Und siehe da, kaum sind wir wieder unterwegs, beginnt es erst zu nieseln, dann zu regnen. Schnellen Schrittes laufen wir zur Leierstalalm und kehren ein. Kaum sitzen wir, öffnet der Himmel draußen seine Schleusen so richtig. Irgendwie habe ich ein Déjà-vu zur Rofan-Tour... Es ist ziemlich kalt geworden und so trinken wir im Trockenen genütlich einen Tee. Irgendwann kommen ein Vater uns sein erwachsener Sohn, die ziemlich nass geworden sind, an. Auch sie bekommen etwas zu trinken und wir plaudern ein wenig und warten auf Wetterbesserung. Nach einer guten Stunde hört der Regen endlich auf und wir brechen wieder auf. Ein paar Minuten später können wir schon unser Etappenziel, die Erlanger Hütte, vor und über uns ausmachen.


Zwischendurch ziehen immer wieder Wolkenfelder durch. Es bleibt unbeständig, aber trocken. Ich erinnere mich an einen langen Anstieg, bei dem man die Hütte immer wieder vor Augen hat. Ich habe mich nicht getäuscht, finde es aber weitaus weniger anstrengend, als ich in Erinnerung hatte. Auch gut. Wir legen nochmal eine kleine Brotzeitpause ein.




Schließlich erreichen wir die Erlanger Hütte (2550m), während immer mehr Wolken aufziehen. Wir beziehen ein gemütliches Zimmer mit Stockbett und als wir uns frischmachen gehen, beginnt es draußen zu gewittern und wieder zu schütten. Wir haben ein Glück heute! Den Abend verbringen wir nach dem guten Essen noch mit Karten spielen und Mensch-ärgere-dich-nicht.

2. Tag: zur Frischmannhütte

Ich habe erstaunlich gut geschlafen. Der Morgen beginnt kühl und mit Wolkenlücken. Wir können fast bis Umhausen sehen.


Auf geht es zum Wettersee. Auf den umliegenden Bergen liegen Schneereste.



Ich wäre gern auf dem Ludwigsburger Grat weiter gegangen, aber das Wetter macht nicht den stabilsten Eindruck. Einige Höhenmeter müssen wir zu einer Scharte hinauf, um dann wieder einiges abzusteigen. Der Fundusfeiler, der an unserem Weg liegt, hängt vor uns in den Wolken. Eigentlich war der kleine Gipfelabstecher geplant, aber so würde das keinen Sinn machen. Aber mal schauen, bis wir dort sind, denn nun kommt auch immer wieder die Sonne raus.

Wegmarkierung mal anders

links: Fundusfeiler in Wolken, Mitte: Lehnerjoch
Vorbei an Schafen, plätschernden Bächen, bergauf und bergab geht es technisch unschwierig Richtung Lehnerjoch (2510m), wo sogar ein Kreuz steht. Mittlerweile ist es richtig schön geworden, aber die Wolken hängen immer noch an den Bergen.


Nun geht es wieder bergauf. Erst schlängelt sich der Weg zwischen Felsen hindurch, bald verläuft er auf grobem Blockwerk. Es wird kälter und dunkler, als wir so langsam in die Wolken eintauchen. An der Feilerscharte (2926m) ist klar, wir ersparen uns den Gipfel. Weiter als 50m können wir eh nicht schauen. Ich verspreche, A. die Bilder von vor 6 Jahren zu zeigen, damals hatten wir blauen Himmel, Sonnenschein und auch hier in der Höhe sommerliche Temperaturen. Das Glück haben wir heute nicht, aber es regnet nicht und so wollen wir uns auch nicht beschweren. Über einige Schneefelder geht es nun weiter bergab.



Bald lassen wir die Wolken wieder hinter uns und nun kommen einige versicherte Wegabschnitte, an die ich mich nicht mehr erinnern kann. Macht aber auch nichts, auch hier kommen wir gut durch. Bald wird es weniger steil und wir machen Mittagspause auf einigen Felsblöcken. Die Frischmannhütte (2192m) liegt schon nah und ist nach der Pause auch bald erreicht. Wir bekommen zwei Plätze im Lager zugewiesen und weil es noch nicht so spät ist, entscheiden wir uns noch, den Waalweg zu erkunden, der sich auf gleicher Höhe am Hang entlang zieht. Hier ist es richtig schön, das Bächle fließt munter mal links, mal rechts vom Weg, mal in einem Graben, mal als Holzleitung. Immer wieder müssen wir ein paar Kühe verscheuchen, die auf dem schmalen Weg stehen. Wir haben einen schönen Nachmittag und unterhalten uns gut.




Abends in der Hütte entdecke ich den alten Eintrag von vor 6 Jahren. Das Essen ist in Ordnung. Wir unterhalten uns mit den anderen Gästen, die bei uns am Tisch sitzen. Ich schlafe auch diese Nacht wieder gut.


3. Tag: Abstieg und Heimfahrt

Der Abstieg erfolgt von der Frischmannhütte aus komplett auf Fahrwegen, die uns wieder zurück zum Auto bringen. Allerdings geht es 1200 Höhenmeter bergab. A. scheint auch hier keine Probleme zu haben. Natürlich ist heute strahlender Sonnenschein... ;o)



Donnerstag, 8. August 2013

Klettersteigen im Rofan

Dieses Jahr habe ich wieder was Neues für mich gefunden: Klettersteige! Das fordert heraus und macht viel Spaß. Mein erster war der Höhenglückssteig bei Hersbruck. Allerdings habe ich nur die ersten zwei Teile geschafft, der dritte blieb mir verwehrt. Allerdings ist der auch Kategorie D/E, also nix für einen blutigen Anfänger wie mich. Nun ja, ich erinnerte mich an meine Wandertour im Rofan letztes Jahr und an zwei Klettersteiggeher, mit denen ich in der Erfurter Hütte zu Abend gegessen hatte. Die zwei haben ihre Tour für den nächsten Tag geplant und ich habe damals schon einen kleinen Einblick in die Topo vom Achensee-5-Gipfel-Klettersteig bekommen. Ich recherchierte also ein bisschen und dachte mir, das wäre für mich machbar. Vielleicht nicht alle auf einmal, aber den einen oder anderen werde ich schon schaffen. B. ließ sich für die Idee begeistern und ich freute mich, mein neues Klettersteigzeug ausprobieren zu können.

Tag 1: Anfahrt und Aufstieg

Nach einem gemütlichen Frühstück und einer problemlosen Fahrt parken wir an einem heißen Sommertag in Buchau am Achensee. Diesmal möchte ich über die Dalfaz-Alm aufsteigen, da ich letztes Jahr ja den Weg über die Astenau-Alpe genommen habe. Beim Aufstieg kommen wir schnell ins Schwitzen, der Weg liegt doch mehr in der Sonne als gehofft. Auf dem Achensee sind viele Boote unterwegs. Allerdings brauen sich über dem Karwendel gegenüber so langsam aber sicher immer mehr Wolken zusammen und es wird dunkler und windiger.



Wir laufen schneller und erreichen die Dalfaz-Alm (1693m) gerade so, bevor das Unwetter mit Hagelschauer und Gewitter losbricht. Wir gönnen uns leckeren Wartekuchen und Holler und warten zusammen mit anderen Wanderern das Unwetter ab. Nach etwa einer Stunde ist alles vorbei und die Sonne strahlt wieder vom blauen Himmel, als ob nie was gewesen wäre.


Über den schönen Enzianweg gelangen wir zum Durrakreuz, wo wir auf ein paar Liegen noch ein bisschen die Sonne genießen, bevor wir den restlichen Weg zur Erfurter Hütte (1834m) laufen. Hier verbringen wir einen gemütlichen Abend auf der Hüttenterrasse.

2. Tag: Dann mal los!

 Morgens zeigt das Thermometer auch schon warme 25°C an. Puh! Wir packen unser Klettersteigzeug und Verpflegung ein und starten Richtung Haidachstellwand, unserem ersten Klettersteig für heute. Es sind schon einige Leute unterwegs, wegen der Rofanseilbahn kommt ja jeder hier relativ schnell und einfach hoch. Am Fuße des Klettersteigs legen wir unsere Gurte an und dann geht's hinauf.






Das Klettern geht gut und wir kommen schnell voran, müssen jedoch immer wieder warten, weil die Leute vor uns langsamer sind. Mein zweiter Klettersteig überhaupt lässt sich super gehen, man hat stets gute Tritte und Versicherungen. Nirgends fand ich ihn besonders schwierig. Pünktlich zur Mittagszeit sind wir oben (Haidachstellwand, 2192m), machen Pause und genießen den Rundumblick auf die anderen Rofangipfel, das Karwendel und den Einstieg ins Zillertal gegenüber.
Nach der Pause steigen wir auf dem Wanderweg ab und gehen weiter zum Rosskopf gegenüber, in dessen Wand wir 3 Klettersteiger ausmachen können.

























Vor dem Einstieg warnt ein Schild bereits vor Steinschlag und auch die Topo zeigt mit Schwierigkeitsgraden großteils bei C/D ein ganz anderes Kaliber. Ich habe mächtig Respekt vor diesem Klotz. Schon der Einstieg verlangt deutlich mehr Kraft und Geschick. Die Tafel am Fuß gibt 1h-Gehzeit an. B. würde das sicherlich schaffen, ich bin schon froh, wenn ich überhaupt oben ankomme. Meter für Meter kämpfe ich mich vorwärts. Verdammt, das ist echt schwierig! Immer wieder pausiere ich, trinke was, tanke Kraft. Natürlich gibt es ab und zu auch etwas einfachere Passagen. Trotzdem - dieser Klotz ist eigentlich nichts für Anfänger. Ein Mini-Überhang bringt mich fast zum Verzweifeln. B. macht mir Mut und hilft mir weiter. Irgendwann sind die schwierigen Stücke endlich geschafft und das Gipfelkreuz kommt in Sichtweite.


Aber auch die letzten Meter sind nicht ganz ohne. Auf schmalem Grat geht es zum Gipfelkreuz des Rosskopf' (2246m). Wir halten uns jedoch nicht so lange auf. Der Aufstieg hat insgesamt 2einhalb Stunden gedauert. Ich habe meinen dritten Klettersteig hinter mir, allerdings hätte ich es ohne B. nie geschafft (fairerweise muss ich dazu sagen, dass ich es ohne erfahrenen Kletterpartner auch nicht probiert hätte). Das reicht dann aber auch für heute. Der Abstieg beginnt ebenfalls seilgesichert. Über ein Geröllfeld kommen wir anschließend wieder zum normalen Wanderweg zurück. Mittlerweile sind kaum noch Wanderer unterwegs. Wir legen unser Klettersteigzeug ab und machen uns auf den Rückweg zur Hütte. Hier genießen wir nochmal einen schönen Hüttenabend auf der Terrasse und sehen sogar noch einen schönen Regenbogen von einem vorbeiziehendem Gewitter.


3. Abstieg

 Der nächste Morgen beginnt wieder sonnig. Von der Hütte können wir die Flanke des Rosskopf' erkennen, die wir gestern erklommen haben. Wahnsinn, dass wir da rauf sind!


Wir nehmen den Weg zurück zum Durrakreuz und biegen dann auf den Schützensteig ab, der uns erst über Wiese, dann durch Wald zum Normalabstieg von der Erfurter Hütte bringt. Hier geht es erst im Wald, später auch über eine Skipiste lange bergab. Wir sehen Murmeltiere und sogar eine Kreuzotter. Von Maurach geht es an der Straße entlang zurück nach Buchau zum Auto. Schon wieder sind ein paar schöne Tage in den Alpen vorbei. Aber wir werden wiederkommen :) und vielleicht machen wir ja auch irgendwann noch die fehlenden 3 Klettersteige im Rofan.